Volksschullehrer verzweifelt gesucht

[Kurier, 13.03.2009]

Die Pädagogische Hochschule Wien wirbt mit der Ausstellung "Ich, Boy, 19, suche ..." verstärkt um männliche Studenten.

Lediglich zehn Prozent der derzeit in Ausbildung stehenden Volksschullehrer der Pädagogischen Hochschule Wien sind männlich. Für die Entwicklung von Schülern und Schülerinnen sind jedoch erwachsene Vorbild-Persönlichkeiten beiderlei Geschlechts wichtig. In der Realität ist der Lehrberuf aber "weiblich" – aus verschiedensten Gründen.

Um dem entgegenzuwirken steht der heurige Informationstag (19. März) unter dem Motto "Männer in den Lehrberuf". Neben der Präsentation der verschiedenen Studienangebote, wird auch die von Universitätsprofessor Herbert Lachmayer von der Abteilung für Experimentelle Gestaltung der Kunstuni Linz inszenierte Ausstellung "Ich, Boy, 19, suche ..." eröffnet (erste Führung um 10 Uhr).


Reflexion über Männerbilder

Die Reflexion über Männerbilder soll unter anderem durch Installationen in einem speziell mit Teppichen gestalteten Raum angeregt werden. Zu sehen ist die Ausstellung bis 30. April 2009, Montag bis Freitag von 8.00 bis 19.00. Führungen nach Terminabsprache bei Christine Hahn, christine.hahn@phwien.ac.at
 

Informationstag der PH Wien:
Donnerstag, 19. März 2009, 8–17 Uhr
Pädagogische Hochschule Wien
Grenzackerstraße 18, 1100 Wien

Schwache Kerle

[Der Tagesspiegel, 14.3.2009]
 
Bildungspolitiker wollen Jungen besser fördern – ihnen fällt Schule schwerer als Mädchen: Sie gelten schnell als frech, als laut und faul. Doch Jungen sind an Brandenburgs Schulen weiterhin benachteiligt.

Thorsten Metzner

Als dies bereits im September 2007 ein offizieller Bericht des Bildungsministeriums erstmals offenbarte, damals ein Novum in Deutschland, versprach SPD-Bildungsminister Holger Rupprecht im Landtag eine bessere Förderung von Jungen. Fast zwei Jahre danach kommt eine Studie zum Ergebnis, dass Jungs in der Mark immer noch häufiger als Mädchen die Schulen ohne Abschluss verlassen, auf Förderschulen gehen oder schon bei der Einschulung zurückgestellt werden. Prompt gibt es in der SPD/CDU-Regierungskoalition darüber offenen Streit. Der CDU-Bildungsexperte Ingo Senftleben warf Rupprecht am Freitag Untätigkeit nach den damaligen Ankündigungen vor – und ging damit weiter als die Links-Opposition. „Das SPD-geführte Bildungsministerium hat zum Nachteil der Jungen nicht reagiert", erklärte Senftleben.

Rupprecht und die SPD wiesen die Vorwürfe zurück. Dies sei eine „Unverschämtheit", sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Man habe gerade in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage – von Senftleben selbst – über die eingeleiteten Schritte informiert, etwa bei der Ausbildung und Fortbildung von Lehrern oder von 18 Kita-Erziehern in einem Lausitzer Modellprojekt, das auf andere Regionen ausgeweitet würde. „Aber die Lesekompetenz von Herrn Senftleben lässt offenbar wegen des Wahlkampfes neuerdings zu wünschen übrig", so Breiding. Brandenburg habe mit dem Jungen-Bericht als erstes Bundesland überhaupt das Problem offen angepackt. Und die SPD-Vizefraktionschefin und Bildungsexpertin Klara Geywitz sagte: „Das Problem ist erkannt. Wer seriös Bildungspolitik macht, weiß: Man kann es nicht über Nacht lösen." Von der plakativen Forderung der Union, an jeder Brandenburger Schule einen Jungenbeauftragten einzurichten, halten SPD, Linke und Bildungsministerium jedenfalls nichts. „Ob der einzige Lehrer an der Grundschule, meist ist es der Sportlehrer, dann auch noch Jungenbeauftragter ist, löst das Problem nicht", sagte Geywitz. Wichtiger sei, dass Brandenburg seine Anstrengungen verstärkt habe, Erzieher für Kitas und Grundschulen zu gewinnen. „Die Jungs brauchen männliche Vorbilder."

An den auch in der jüngsten Länderstudie des „Aktionsrates Bildung" ermittelten Fakten, dass Jungen in Brandenburg wie auch in anderen Ländern gegenüber Mädchen häufiger zurückbleiben, kommt niemand mehr vorbei. So waren unter 2536 Kindern, deren Einschulung 2007/2008 zurückgestellt wurde, 64 Prozent Jungen – ebenso sieht es bei Sitzenbleibern aus. Von 4319 „Wiederholern" waren 2632 Jungen (60,9 Prozent). Und von 2248 Schulabgängern ohne Abschluss waren 65 Prozent Jungs. SPD-Fraktionsvize Geywitz verwies auf die laufenden Bildungsreformen, die auf eine individuellere Förderung Schwächerer an den Schulen zielen. Dort hinkt Brandenburg, obgleich es sich in der jüngsten Pisa-Studie gegenüber anderen Ländern ins Mittelfeld vorgearbeitet hat, weiter hinterher. Thorsten Metzner

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 14.03.2009)

Es fehlen die männlichen Vorbilder


[Alstatte-Nienborg, 13-03-09]

Ahaus-Alstätte - Jungen sollen mutig, stark und durchsetzungsfähig sein, aber gleichzeitig auch einfühlsam, sensibel und rücksichtsvoll. Mit solchen widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert und ohne liebevollen elterlichen Halt, komme so mancher Knabe im Laufe seiner Entwicklung zwangsläufig ins Schleudern, machte Diplompädagogin Anne Zorn am Donnerstag deutlich. Sie war auf Einladung des Fördervereins, der Schulpflegschaft und der Schulleitung der Katharinen-Grundschule zu einem Vortrag über Jungenerziehung nach Alstätte gekommen. Einer Schule, an der man sich schon seit längerer Zeit mit spezieller Jungenförderung beschäftige, so die Schulleiterin Beda Lassernig während ihrer Begrüßung in der voll besetzten Schulaula.
 
Anne Zorn, selbst Mutter von zwei erwachsenen Söhnen, nahm in ihrem sehr ausführlichen Vortrag die Eltern in die Pflicht. Zunächst aber verdeutlichte sie die Situation, in der sich viele Jungen befinden. So haben sie laut Zorn zu wenige männliche Vorbilder in Kindergarten und Grundschule, und zu Hause seien die Väter arbeitsbedingt auch häufig abwesend. Mütter wiederum seien in dem Dilemma, einerseits vor dem Hintergrund der Erfolge der Emanzipation einen hilfsbereiten Frauenversteher , andererseits aber auch kein schwächliches Weichei erziehen zu wollen.

 
Wie ein roter Faden zog sich die Aufforderung an die Eltern durch Anne Zorns Vortrag, mit ihren Kindern im Gespräch zu bleiben und sie zu lenken. Eltern seien in ihrer Rolle sehr gut, wenn sie die Kinder davon überzeugen könnten, das zu wollen, was sie sollen. Vor allem müsste aber den Jungen Struktur gegeben werden. Wären sie erst einmal durch zu viele sie im Grunde überfordernde Freiheiten erziehungsentwöhnt, werde der Umgang mit ihnen immer problematischer. Aufgeregtes Anschreien würdigt nur herab, und sie verschließen sich nur , erklärte sie. Darüber hinaus vertrat Zorn die Ansicht, dass Jungen viel länger als Mädchen bräuchten, bis sie etwa ihr nachmittägliches Lernpensum selbst strukturieren könnten. Bei Schwierigkeiten empfahl sie, die Persönlichkeit des Jungen mit all ihren Ecken und Kanten zu akzeptieren und klar zu ihm zu stehen. Und ihm durchaus auch über das 18. Lebensjahr hinaus in eindeutigen Ich-Botschaften bewusst zu machen, dass beispielsweise eine seiner Handlung als katastrophal empfunden werde, er gleichzeitig als Mensch aber vorbehaltlos respektiert werde.
 
Der sicher viele in Ratlosigkeit versetzende jüngste Amoklauf eines Heranwachsenden wurde nur kurz von Anne Zorn gestreift, die sich im Anschluss an ihren Vortrag den Fragen aus dem Publikum stellte.
 
VON SIGRID WINKLER-BORCK, GRONAU

Warum Jungen in der Schule Problemfälle werden


[Welt-Online, 7. März 2009]

Von Miriam Hollstein

Experten sind sich einig: Jungen werden im deutschen Bildungssystem benachteiligt. Die Folge sind schlechtere Noten, höhere Sitzenbleiberquoten, häufigere Leseschwächen als bei Mädchen. Oft wird die große Zahl von Lehrerinnen dafür verantwortlich gemacht. Aber Forscher sehen die Ursachen differenzierter.


Erste Zweifel am deutschen Bildungssystem kamen der Berlinerin Sabine Schubert (Name geändert), als ihr Sohn Maximilian vor sechs Jahren eingeschult wurde. Zwar schaffte der Sechsjährige die Einschulungstests ohne Probleme, doch mit dem Stillsitzen haperte es. Kein Problem, versicherte die Schule der besorgten Mutter. Nach einem halben Jahr kam Maximilian jedoch mit einer Schulanweisung nach Hause: Weil er unerlaubt an einem Turngerät herumgeklettert war, durfte er eine Woche nicht am Sportunterricht teilnehmen. Als er wegen Störung des Unterrichts auch öfter in einen „Sozialraum“ abgeschoben wurde, nahm Schubert ihn von der Schule.


An der zweiten Schule wurde es nicht besser. „Im Fach Deutsch mussten die Kinder Bienengeschichten lesen, im Kunstunterricht Schmetterlinge malen und beim Sport Schleiertänze aufführen“, erzählt Schubert. Weil Maximilian und andere Jungen ihren Bewegungsdrang im Unterricht abbauten, seien sie dafür ständig vor der Tür gelandet.


Erst an der dritten Schule lösten sich Maximilians Probleme in Luft auf. „Seine Klassenlehrerin hatte selbst zwei Söhne, kannte sich mit Jungen einfach aus“, sagt Schubert. Für die 42-Jährige ist nach der leidvollen Erfahrung klar: „Jungen haben es in der Schule viel schwerer als Mädchen – man lässt sie einfach nicht mehr Jungen sein.“


Jungen sind die Verlierer unseres Bildungssystems. Zu diesem Schluss kommt auch der Germanist Arne Hoffmann in seinem neuen Buch „Rettet unsere Söhne“. Schon im Kindergarten kämen die Bedürfnisse von Jungen zu kurz. Auch in der Grundschule würden Mädchen vom überwiegend weiblichen Erziehungspersonal ständig bevorzugt. Von einer „Feminisierung der Schule“ spricht Hoffmann. Sie sei Folge „eines überbordenden Feminismus“, der in seinem Ziel, die Rechte der Frauen zu stärken, die Anliegen der Männer in gefährlichem Maße ignoriert habe. Werde diese Entwicklung nicht gestoppt, wachse eine Generation von männlichen Bildungsversagern heran.


Hoffmanns These ist nicht ganz neu. Vor knapp zwanzig Jahre erschien das Buch „Kleine Helden in Not“, von Dieter Schnack und Rainer Neutzling, das erstmals darauf hinwies, dass im Zuge der Frauenförderung die Jungen aus dem Blick geraten waren. Inzwischen ist eine Reihe von Büchern erschienen(„Die Jungenkatastrophe“, „Jungen in der Krise“ und „Kleine Jungs – große Not“), die alle zu demselben Schluss kommen: Jungen werden in unserem System benachteiligt.


Wer zweimal sitzen bleibt, ist oft ein Junge

Die Vertreter dieser Thesen verweisen dabei auf Fakten:


Je niedriger qualifizierend die Schulform ist, desto höher ist der Jungenanteil. Jungen verlassen häufiger als Mädchen die Schule ohne Abschluss. Mädchen erreichen häufiger die Hochschulreife als Jungen.


Jungen bleiben häufiger sitzen. Laut Pisa-Studie müssen bis zur 9. Klasse 35 Prozent der Jungen, aber nur 26 Prozent der Mädchen eine Klasse wiederholen. Wer zweimal sitzen bleibt, ist oft ein Junge.


Der Anteil an Lehrerinnen liegt in der Grundschule bei fast 90 Prozent; im Kindergarten sind sogar 98 Prozent des Erziehungspersonals Frauen. Nur an Gymnasien finden sich im Schnitt fast ebenso viele Lehrer wie Lehrerinnen.


Studien zeigen, dass Jungen selbst bei gleichen Leistungen im Schnitt eine Note schlechter bewertet werden als Mädchen.
Jungen leiden zwei- bis dreimal so häufig unter Lese- und Schreibschwäche wie Mädchen.

Auch Pädagogen aus der Praxis sehen die Entwicklung mit Sorge. „Viele Jungen werden in Kindergarten und Grundschule oft nicht optimal gefördert, weil Erzieherinnen und Lehrerinnen eher auf Verhaltensmuster von Mädchen eingestellt sind“, sagt Frauke Hanebeck, Lehrerin und Unterstufenleiterin an einem Kölner Gymnasium und selbst Mutter von zwei Söhnen. Kommen die Jungen dann zu ihr ans Gymnasium, „atmen die richtig auf, weil sie plötzlich von Männern betreut und sich verstanden fühlen“, hat Hanebeck beobachtet. Zwar gebe es Fortbildungsangebote für Lehrer, was geschlechterspezifische Pädagogik betrifft. Doch die seien allesamt freiwillig.

"Frauen können Jungen nicht zu Männern machen“


Von einer „heimlichen Diskriminierung“ spricht der renommierte Männerforscher Walter Hollstein („Was vom Manne übrig blieb“). Von einseitigen Schuldzuweisungen hält er freilich nichts. Vielmehr sei es ganz natürlich, dass Frauen sich auch im Umgang mit Jungen vor allem an ihren weiblichen Handlungsmustern orientierten. „Das wird zu wenig reflektiert“, glaubt Hollstein. Der amerikanische Dichter Robert Bly hat das Dilemma mit den Worten auf den Punkt gebracht: „Frauen können Jungen auf die Welt bringen, aber sie können sie nicht zu Männern machen.“


Widerstand gegen solche Thesen gibt es vor allem von feministischer Seite. Männern, die auf die Entwicklung aufmerksam machen, wird unterstellt, sie würden um die Macht des Patriarchats fürchten. Der Hamburger Gesamtschullehrer Frank Beuster wurde in Briefen und Internetblogs als „Neandertaler“ beschimpft, weil er in seinem Buch „Die Jungenkatastrophe“ die Auffassung vertritt, dass Jungen anders als Mädchen sind. „Damit schaden sich die Frauen letztlich selbst“, warnt Beuster. „Denn wenn wir das Problem verdrängen, wird eine Generation von Männern heranwachsen, die weder zu Vätern noch zu Ehepartnern taugt.“


In der Pflicht sehen Experten wie Beuster oder Walter Hollstein aber in erster Linie die Männer. Sie hätten zu passiv auf die Auflösung traditioneller Rollenbilder reagiert. Dabei geht es den Männerforschern nicht um eine Rückkehr zu alten Mustern. Aber während sich für Mädchen – nicht zuletzt aufgrund gezielter staatlicher Förderung – längst neue Frauenbilder etabliert haben, fehlt es für Jungen an klaren Identifikationsangeboten. „Männer sollten stärker über ihre Rolle nachdenken“, fordert Hollstein. Auch müssten Erzieherberufe gesellschaftlich aufgewertet und damit auch für Männer wieder attraktiver gemacht werden.


"Boys' day für typische "Frauenberufe"


Der Pädagoge Beuster hat an seiner Schule „Jungen-Nachmittage“ eingeführt. Einmal im Monat unternimmt er, unterstützt von Vätern und Männern aus dem Schulumfeld, mit Fünft- bis Zehntklässlern typische Jungenaktivitäten: Computer werden auseinandergebaut, Fußball gespielt oder Waffen aus Holz geschnitzt. Mädchen bleiben außen vor: „Die Jungen sollen spüren, dass es nur um sie geht.“


Gemeinsam mit der Hamburger Regierung arbeitet Beuster zudem daran, „Jungenbeauftragte“ an den Schulen einzuführen. Diese sollen auch darauf achten, ob der Lehrplan „jungentauglich“ ist.


In München gibt es bereits seit 2003 „Jungenbeauftragte“ an den Schulen. Auch sonst gibt es Anzeichen, dass die Benachteiligung von Jungen als gesellschaftliches Problem erkannt wird. In immer mehr Städten gibt es inzwischen einen „Boys' day“, der spiegelbildlich zum „Girls' day“ Jungen für typische „Frauenberufe“ im Erziehungs- und Pflegesektor heranführen soll. Aber auch eine wachsende Zahl von Frauen sieht das Thema nicht länger als Waffe des Geschlechterkampfs. Dies zeigt ein Beispiel aus Hamburg: Dort war an einer Grundschule nur weibliches Personal tätig. Als die Direktorin vor anderthalb Jahren in den Ruhestand ging, beschlossen die Lehrerinnen dies zu ändern. Sie wählten einen Mann zum Nachfolger. Einstimmig.

Rettet unsere Söhne

Wie den Jungs die Zukunft verbaut wird und was wir dagegen tun können.

Mit 10-Punkte-Sofortprogramm
Erscheint: März 2009
188 Seiten
Klappenbroschur
€ 16,95 [D], € 17,50 [A], sFr 29,90
ISBN: 9783866122277


Unsere Jungen sind zum Problemfall geworden. Sie führen die Liste der Schulabbrecher, Arbeits-losen und sozial Auffälligen an. Das ist weder Zufall noch die Schuld männlicher Gene, sagt Arne Hoffmann. Sondern das schwerwiegende Versäumnis eines Systems, das seit Langem und wissentlich Mädchen auf Kosten der Jungen fördert. Ein provokantes, streitbares und dringend notwendiges Plädoyer für wahre Gleich-berechtigung.

»Jungs sind dumm« ist nicht nur eine beliebte T-Shirt-Aufschrift, sondern die Haltung, mit der unser Land einer gesamten Generation von Jungen gegenübertritt. Mit erschreckender Klarsicht führt Arne Hoffmann vor, wie die Pädagogik und Politik die offene Diskriminierung unserer Jungen zulassen. Dass nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen die Zukunft unseres Landes sind, wird dabei vergessen. Ein in seiner Polemik ehrliches, nicht frauenfeindliches, sondern jungenfreundliches Buch über die Schattenseiten des Gleichberechtigungswahns, die auszusprechen in unserer Gesellschaft fast schon einem Tabu gleichkommt.

BOOK REVIEW: Save the Males: Why Men Matter, Why Women Should Care


 
A Tiresome Backlash: Controversy becomes conventional in Save the Males
 
 
By Kathleen Parker
 
Save the Males: Why Men Matter, Why Women Should Care
 
Random House, 240 pages, $26
 
 
 
Are men an endangered species?
 
In her new book, Save The Males: Why Men Matter, Why Women Should Care, Kathleen Parker attempts to make the case that manliness is under assault by a loosely organized movement of vagina worshipers and other representatives of our boorish hookup culture.
 
Talking about sexual politics in America today is no easy task. To get anywhere, one must ignore politically-correct mandates and circumvent orthodoxies, particularly when they fly in the face of common sense.
 
Parker has no problem doing this. The chapter on women in the military is a good example, as she makes a solid, common sense case that women do not belong in combat, particularly on the modern battlefield, where asymmetrical warfare is the norm. Parker also does a good job exploring the complexities of sperm donation, child support payments, and no-fault divorce laws.
 
While these topics may seem silly or irrelevant, they constitute the basis on which most anti-male hysteria is born, and Parker is right to shed light on them. Railing against the dangers of single-parent families may be an established political talking point nowadays, but it is rarely explored with as much detail as Parker provides here.
 
In particular Parker notes: Girls ... are at risk of being too controlled by their adoring fathers ... You don t suppose there s a corollary between father-deprived daughters and an inability to relate well to males of the species? Or, just possibly, that teenage girls early sexual activity is related to a misplaced search for male attention and affection?
 
Parker is not the first to make this point, but her plainspoken manner is more welcoming than the standard gobbledygook coming from D.C. s think-tank intelligentsia.
 
Parker s choice of controversial sources, like sex-positive feminist Wendy McElroy and University of Texas Professor Robert Jensen, are interesting. Being generally a mainstream media figure, it seems that Parker would not normally rub shoulders with far left socialists like Jensen or quote anarcho-capitalists like McElroy.
 
That she cites both as authorities on the subject of pornography (representing opposing views) suggests our corporatized media culture may be paying more attention to the fringes of respectable discourse than is often assumed. Perhaps these examples are merely indicative of the author s quirky nature, which at times is a detriment to her arguments.
 
Parker goes to great lengths to make the case that the media portrayal of men as little more than dopey goofs is unfair and inherently destructive. As a man I am not totally unsympathetic to this view.
 
Still Parker s tone jumps wildly from cynicism to seriousness and back again. Her pithy one-liners and sharp-witted observations often make for laughs, but they take away from the serious discussion her book seeks to become a part of.
 
At times, the book comes across like a string of op-ed columns tied together by a narrative loosely based around a distrust of contemporary, hyper-sexualized consumerism.
 
Parker s instincts may be right and her prose can be delightful, but the scattershot tone of the book is a weakness.
 
While cultural criticism is the book s strength, the general thesis has less to do with rejuvenating the diminishing status of men, than it does attacking the modern, feminist ethos, a subject of which Parker is no pioneer.
 
Such books undoubtedly have a preconditioned choir to preach to (thanks to a sound-bite culture and talk radio), but offer little new to long time observers of the culture wars let alone those seeking a fair-minded assessment of the battle between the sexes.
 
The largest problem with Save the Males has little to do with Parker herself. Parker has an authentic personal attachment to the subject matter and it shows (she came of age helping to raise a house full of boys). Still the pile-on nature of backlash culture, while socially and politically understandable, is just as tiresome as the ideological models it is hell-bent on skewering.
 
There are dozens of books dedicated to assaulting the excesses of feminism, and while Parker presents her offering as a defense of men, it is primarily an assault on the sexual egalitarianism of modern society.
 
If taking on controversial subjects becomes conventional, does controversy become extinct? At the end of the day, that is the real question posed by books like Parker s.
 
The never-ending squabbles over sex, feminism, and manhood may be fertile ground for the publishing industry, but they become increasingly boring and stagnant as time goes on.
 
Parker s book is not a bore, but it is not a must-read.
 
In a market this saturated, nothing is.

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Rettet das starke Geschlecht
 
[Frantkurter Allgemeine Sonntags Zeitung, 22.2.2009]

Jungen werden zu Mädchen erzogen, Väter entrechtet: Die Welt liebt die Männer nicht. Schuld ist der radikale Feminismus

VON CHRISTINE BRINCK

Männer und Frauen, Jungen und Mädchen sind verschieden. Je genauer die biologischen Unterschiede der Geschlechter erforscht werden, desto eifriger scheinen indes radikale Feministinnen darauf erpicht, sich als Sozialingenieure zu profilieren. Jungen sind wild, Jungen sind unkonzentriert, Jungen toben lieber herum, statt gemütlich in der Ecke zu sitzen, Jungen lernen später sprechen und lesen weniger - alles kein Problem. Wir müssen sie nur erziehen, so zu sein wie Mädchen. Dann werden die Lehrerinnen sie auch so nett behandeln wie Mädchen. Die Feminisierung des Spiel- und Klassenzimmers schlägt sich früh auch in der Literaturauswahl nieder. Die Jungen sollen sich ihren Gefühlen nähern. Igitt! - denken die sich und verweigern.
Sind die ungezähmten Buben dann etwas älter und werden in der Pubertät mit Testosteron überschwemmt, schlägt ihnen Unbehagen entgegen, als seien sie alle auf Beutezug. Auf dem Campus soll gar jeder vierte von ihnen ein Vergewaltiger sein, weil er sich vor dem Beischlaf die Zustimmung der Mitschläferin nicht schriftlich geben ließ. Jungen sind eben gewalttätig, Männer sind es sowieso. Und daraus folgt: Wer braucht Männer?

Bücher mit diesem Titel, Bestseller gar, gibt es längst. Dass Väter unnötig sind, erfahren wir trotz anderslautender Forschung aus dem Munde alleinerziehender Frauen zuhauf. Die Gesellschaft ist voreingenommen gegen Männer. Was auch immer sie tun, sie können es nicht recht machen. Die Welt, zumindest die westliche, mag fairer für die Frauen geworden sein, für die Männer ist sie unfairer geworden. Das bekommen vor allem die jüngsten und jungen Männer zu spüren, so als seien sie verantwortlich für Jahrtausende männlicher Vorherrschaft. "Das männliche Geschlecht als Gruppe - nicht einzelne Männer - ist schlecht und böse, einfach weil sie die falsche DNA haben", schreibt die amerikanische Journalistin Kathleen Parker.

Die Welt ist männerfeindlich geworden, voller Verachtung für Männlichkeit. Zynisch urteilt sie die kleinen Unterschiede ab, die Männer einst unwiderstehlich machten. Das Fernsehen zeigt Männergestalten, die selten oder gar nicht als weise, ritterlich und stark gezeichnet werden. In sogenannten Familienserien werden Männer bestenfalls als leicht verblödete, ungeschickte Toren vorgeführt, die ohne ihre patenten Frauen absolut verloren wären und selbst von ihren Kindern nicht ganz ernst genommen werden. Homer Simpson von den Simpsons ist so ein Exemplar. In Filmen und Musik werden Männer als Idioten, Frauenprügler, Vergewaltiger, Brutalos oder Väter, die sich aus dem Staub machen, gezeigt. Der nette, zuverlässige und intelligente Mann, dem seine Familie heilig ist und der auch noch die Nachbarkinder für sich einnimmt, ist, so will es scheinen, eine aussterbende Spezies.

Und in dieser männerfeindlichen Grundstimmung kam ausgerechnet eine Frau auf die Idee, eine Lanze für die Männer zu brechen. "Save the Males - Why Men Matter, Why Women Should Care" (Rettet die Männer - Warum Männer wichtig sind, warum es Frauen angeht) nannte Kathleen Parker ein Pamphlet, das sehr flott geschrieben ist und mit der Dämonisierung der Männer durch Extremfeminismus ins Gericht geht. Die Männer retten? Sie regieren die Welt, leiten Banken und Drogenkartelle. "Zur Hölle mit ihnen, sie sind an allem schuld", ist die zumeist weibliche Reaktion auf Parkers Vorschlag. "Sag einer Frau, wir müssen die Männer retten, und sie wird dir den Namen ihres Therapeuten geben", mokiert sie sich. Die Kolumnistin der "Washington Post", Tochter eines alleinerziehenden Vaters - die Mutter starb, als Kathleen Parker drei Jahre alt war - und Mutter dreier Söhne hat, derart mit männlichem Blick gerüstet, anders als die feministischen Schwestern erkannt, dass Männer auch Menschen sind. Ihr geht es nicht um einen Rückschritt in die fünfziger Jahre, ihr geht es um Gerechtigkeit für Männer als Männer, Beschützer, Verdiener, Väter: Rollen, die zunehmend als altmodisch, der patriarchalischen Zeit zugehörig empfunden werden.

Besonders als Väter werden Männer in einer Weise marginalisiert, ausgegrenzt und entrechtet, dass im Netz schon der männliche Ratschlag kursiert, dass jeder junge Mann, der seinen Verstand beisammen hat, sich lieber auf der Stelle einer Vasektomie unterziehen sollte, statt das Risiko der Vaterschaft einzugehen. Die Frauen halten juristisch alle Trümpfe in der Hand. Werden sie schwanger, können sie abtreiben, selbst den Ehemann müssen sie dafür nicht um Einverständnis bitten, den One-Night-Stand oder Live-in Boyfriend schon gar nicht. Brechen sie die Schwangerschaft nicht ab, dann behalten sie das Kind, und der Mann bekommt die Rechnung, es sei denn, er ist der Ehemann, dann darf er an dem Kind auch teilhaben, solange er verheiratet bleibt. Gewiss sollte ein Mann seinen Nachwuchs finanziell unterstützen, aber sollte nicht auch er gefragt werden, ob das Kind abgetrieben werden oder leben soll?
Es sind diese Fragen, die Parker, eine emanzipierte, beruflich erfolgreiche Frau, zur Ikone so vieler Männer gemacht hat. Sie nimmt sich der Vaterlosigkeit an und beschreibt so witzig wie ernsthaft, warum Kinder Väter brauchen und wollen. Sie hat als Mutter von Pfadfindern selbst erlebt, wie eine Bude voller kleiner Buben sich verwandelte, nachdem sie endlich einen Vater für die Nachmittage organisieren konnte. "Er musste nicht viel machen, nur da sein und Testosteron verströmen. Unsere Jungens waren Wachs in seinen Händen . . ."

Parker hat viele Kinder interviewt, deren Mütter sich selbstherrlich oder verzweifelt für das Reagenzglas als Vater entschieden haben. Auch die glücklicheren unter ihnen sind ein Leben lang auf der Suche nach dem Vater: "Es ist absolut notwendig, dass ich herausfinde, wer er ist, um eine normale Existenz als Mensch führen zu können", zitiert sie einen jungen Mann. Die englische Entwicklungspsychologin Penelope Leach formulierte pragmatisch: "Wir stammen von zwei Menschen ab, und wir wollen wissen, wer die beiden sind. Wenn ich Tee mit Zucker und Milch will, ist es eben nicht dasselbe, wenn ich ihn ohne Milch, aber mit zwei Stücken Zucker bekomme."

Viele Frauen können Kinder allein großziehen, "sie tun es und werden es immer tun, sei es aus Not, aus einer Tragödie heraus oder aus anderen Gründen. Aber daraus ergibt sich logischerweise kaum, dass Kinder Väter nicht brauchen. Der Umstand, dass manche Kinder ohne Vater zurechtkommen, ist so wenig eine Empfehlung für die Einzelelternschaft, wie das Fahren mit einem platten Reifen ein Argument für ein dreirädriges Auto ist", so Parker. Und sie fügt hinzu: "Indem man die alleinerziehende Mutterschaft von den unglücklichen Konsequenzen mangelnder Umsicht zu einem stolzen Akt von Selbsterfüllung überhöht hat, hat man dazu beigetragen, eine Welt zu gestalten, in der Väter nicht nur rar, sondern auch überflüssig sind."
Es geschieht selten, dass eine Mutter in eine ausgeräumte Wohnung kommt und ein Zettel ihr den Abgang des Vaters mit den Kindern mitteilt. Männern passiert das recht häufig. Die Mutter ist mit den Kindern auf und davon - zur Mutter, zur Schwester, zum Freund. Die Konsequenzen trägt der Vater, nicht nur, weil er zahlen muss, sondern weil er fortan nur noch eingeschränkte Besuchsrechte mit seinen Kindern genießt. Zieht sie mit den Kindern in eine andere Stadt, kann er dagegen nichts tun. "Wenn Richter Frauen antäten, was sie routinemäßig Männern antun, sie ihrer Kinder, ihres Heims, ihrer Rolle, ihres Besitzes zu berauben, und sie auch noch zwängen, alles mit dem Ex zu teilen, solche Richter würden von einem Mob wildgewordener Frauen in der Luft zerrissen", bloggte ein verzweifelter Vater im Netz.

Parker macht den radikalen Feminismus als Hauptschuldigen für die Marginalisierung der Männer aus. Diese Feministinnen glauben entgegen der Forschungslage, dass Männer und Frauen grundsätzlich gleich seien und dass die Unterschiede nur durch falsche Erziehung entstünden. "Es ist nicht zu fassen, dass wir das immer noch diskutieren", stöhnt die Autorin, "jeder, der nur eine Stunde auf dem Spielplatz verbringt, weiß, dass ein großer Unterschied zwischen männlich und weiblich besteht." Freilich finden wir die Unterschiede nur gut, wenn sie den Mädchen nützen. So wurden auf Schulhöfen die Räume zu Lasten der Ball spielenden Jungen verkleinert, doch die Mädchen brauchten für ihre Springseile oder Plauderecken den Platz gar nicht.
Parker glaubt eher, dass Frauen, Kinder und Gesellschaft profitieren, wenn Männer Männer sein dürfen, die altmodische Tugenden wie Ehre und Mut zeigen und Verantwortung übernehmen. Der neueste Held Amerikas, der Pilot Chesley B. Sullenberger, ist so ein Exemplar. Worum geht es der Männerretterin? "Um die Einsicht, dass Männer keine Frauen und Jungen keine Mädchen sind. Sie sind verschieden, und ihre Verschiedenheiten machen sie wünschenswert füreinander." Der feminisierte Mann, der stolz die Schürze trägt, dem das Soufflee gelingt und der Manolos von Louboutins unterscheiden kann, das ist auch der Mann, der "Origins Save the Males Multibenefit Moisturizer", eine Lotion nur für Männer, kauft. Dieser Mann ist vermutlich nicht mehr zu retten. Aber ob die Frauen den Feministinnen diese Ausgeburt ihres Gleichheitswahns verzeihen, steht auf einem anderen Blatt.

Kastentext:
Alleinerziehende Mutterschaft wird überhöht zu einem Akt der Selbsterfüllung.Männer sollen Männer sein dürfen - mit altmodischen Tugenden wie Ehre und Mut.Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main