Sind Jungen die Verlierer?


[KSTA.de, 16.09.09]

Von Sabrina Greifenhofer

Einge Fachleute glauben, dass sich die Schulthemen zu sehr an den Interessen der Mädchen orientieren. manche Pädagogen raten daher heutzutage zu getrenntem Unterricht, zumindest in einigen Fächern.

Im Deutsch-Leistungskurs wird Theodor Fontanes Gesellschaftsroman „Effi Briest“ durchgenommen. Der Tod der jungen Protagonistin ist Hauptthema der Diskussion. Die Schüler sollen eine Beurteilung abgeben.

„Das ist Kitsch!“ Darauf besteht Michael. Es sei total übertrieben, dass die junge Frau am Ende sterbe. Die meisten Mädchen im Kurs widersprechen ihm. Sie finden den Tod angemessen, konsequent, dramaturgisch geschickt.

Nein, dass Mädchen und Jungen unterschiedlich sind, kann wohl niemand bestreiten. Auch in ihren Einstellungen unterscheiden sie sich voneinander. Immer lauter werden die Stimmen, die behaupten, dass eben dieser Unterschied vom Schulsystem übergangen wird. In den Bemühungen um Gleichberechtigung der Mädchen seien die Jungen zu Verlierern geworden.

Statistische Zahlen für die Jahre 2007 und 2008 aus Nordrhein-Westfalen bestätigen diesen Eindruck. 64 Prozent der Förder- oder Sonderschüler waren demnach Jungs. Bei den Absolventen mit Allgemeiner Hochschulreife sieht es anders aus: 56 Prozent waren Mädchen, nur 44 Prozent Jungs.

Um der Sache genauer auf den Grund zu gehen, hat „junge Zeiten“ eine eigene Umfrage unter 50 Schülern gemacht. 57 Prozent finden, dass Mädchen in der Schule bessere Leistungen bringen. Dem Großteil der Teilnehmer an der Umfrage fiel die Einteilung des Fächerspektrums in typische „Jungen- und Mädchenfächer“ sehr leicht. Lediglich 14 Prozent können dem Rollendenken nicht folgen. Sprachen werden meist als „Mädchenfächer“ bezeichnet, Naturwissenschaften als „Jungenfächer“, ebenso Sport, Erdkunde und Geschichte. Die stereotype Einteilung macht zumindest einen „gefühlten“ Unterschied zwischen den Geschlechtern deutlich. Vielleicht halten deswegen 64 Prozent der Befragten Emanzipation immer noch für wichtig. Dies gaben Jungen wie Mädchen zu fast gleichen Teilen an.

Hypothesen darüber, wie es zu einer Benachteiligung von Jungen in Schulen kommt, gibt es viele. Die Rede ist von der „Überemanzipation“, die Jungen in den Hintergrund stellt, und von der zu starken „Feminisierung“ der Lehrapparate. Andere Überlegungen gehen in die Richtung, dass die Idealvorstellung von Männlichkeit Grund für die ungleichen Chancen in der Schule ist. „Coolness“ und Gefühllosigkeit als Erkennungsmerkmale eines „wahren Mannes“ können zu vielen Albereien anregen, die vom Unterricht ablenken. Tobereien und Aktivität interpretieren Erzieher und Lehrer oft als Hang zur Gewalttätigkeit und als Anzeichen für Hyperaktivität.

Eine weitere These: Die Lehrpläne zielten zu sehr auf kommunikative Fähigkeiten ab, praktische Arbeit werde stark vernachlässigt. Handwerkliche und körperliche Kompetenzen erhielten sogar einen negativen Beigeschmack. Jungen hätten bei dieser Gewichtung von Anfang an schlechtere Chancen. Hinzu komme, dass sich die Schulthemen eher an den Interessen der Mädchen orientieren. Das könne sich bereits in einem Diktat auswirken: Viel zu selten gehe es inhaltlich um Themen, die Jungen ansprechen: Fußballspiele, Ritterkämpfe oder Autorennen. Die besten Leistungen würden aber erbracht, wenn der Prüfling einen Bezug zum Thema habe.

Wenn dem so ist, dann wird die Verkürzung der Schulzeit an Gymnasien die Lage eher noch verschärfen. Der gleiche Stoff muss nun noch schneller durchgenommen werden; ein weiterer Triumph der Theorie zulasten der Praxis. Auswirkungen hat das auch auf den Arbeitsmarkt: Aufgrund guter Schulabschlüsse haben Mädchen mehr und mehr die freie Wahl, den Jungen bleiben nur die hinteren Plätze.

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen hat im Januar „Maßnahmen zur Jungenförderung“ zusammengestellt. Der Schwerpunkt liegt auf der Angleichung der Lesekompetenz, da die Pisa-Studie im Jahr 2006 auf ein starkes Defizit der Jungen in diesem Bereich aufmerksam gemacht hat. Auch „geschlechtssensibler“ Sportunterricht, die Förderung der Berufsorientierung, sensible Lehrerausbildung und gezielte Projekte für Jungs sollen deren Situation verbessern. Außerdem sollen mehr Männer an Grundschulen unterrichten.

Reicht das aus, oder muss man sogar mit dem Gedanken spielen, getrennten Unterricht einzuführen? Die „coole“ Maske der Jungen würde dadurch fallen. Selbstvertrauen könnte sowohl von Jungen als auch von Mädchen in Fächern getankt werden, in denen bislang das andere Geschlecht glänzte. Andererseits bietet auch die Koedukation, der gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen, eine Fülle von Möglichkeiten. Jungen und Mädchen können viel voneinander lernen, ihre Stärken und Schwächen kennen lernen. Bei getrenntem Unterricht droht die Gefahr, dass sich die Gegensätze weiter verschärfen.

Der Diplom-Pädagoge und Hauptschullehrer Marc Böhmann hat in Testläufen mit Schulklassen festgestellt, dass bei teilweisen Trennungen der Klassen Leistungen und Unterrichtsengagement in beiden Geschlechtsgruppen zunahmen. Darum befürwortet er eine themenabhängige Spaltung, etwa im Sportunterricht oder bei der Literaturbesprechung.

Unsere Umfrage unter den Jugendlichen liefert jedoch ein eindeutiges Ergebniss: Vollkommen getrennten Unterricht lehnen über 90 Prozent der Befragten ab.

Es fehlen Männer mit Klasse

[Kleine Zeitung, 08.09.2009]



Die Pensionierungswelle naht - und die Pädagogischen Hochschulen werden erstmals seit Jahren wieder gestürmt. Doch eines ist gleich geblieben: Vor allem an den Volksschulen gibt es kaum Männer.

Der Schulbeginn für mehr als 131.000 junge Steirer naht. Doch auch für Lehrer in spe heißt es jetzt: zurück an die Bücher und Laptops. Jene, die ein Studium an einer Pädagogischen Hochschule beginnen wollen, haben derzeit viele Gesinnungsgenossen. In ganz Österreich werden die Pädagogischen Hochschulen (PH) regelrecht gestürmt. Doppelt so viele Interessenten meldet sowohl die Pädagogische Hochschule am Hasnerplatz als auch die kirchliche PH in Graz-Eggenberg.

Hochschulen

"In den nächsten fünf bis zehn Jahren gehen 50 Prozent aller im Dienst stehenden Lehrer in Pension", sagt Siegfried Barones, der Leiter der Pädagogischen Hochschule Eggenberg. Regina Weitlaner, Direktorin am Hasnerplatz, ergänzt: "Die Leute sehen wieder die Chance, dass sie Arbeit als Lehrer finden." Doch der Ansturm auf die Pädagogischen Hochschulen ist in erster Linie weiblich. Vor allem bei den angehenden Volksschullehrern. "Von den 120 Studenten im dritten Semester sind vier Männer", sagt Weitlaner. Das ist seit Jahren so. Im kommenden Schuljahr werden wieder 91 Prozent der Volksschullehrer Frauen sein. Aber übrigens nur 72 Prozent der Direktoren.

Über die Gründe wurde schon viel diskutiert. Auch über die Folgen, vor allem für Buben, wenn männliche Identifikationsfiguren fehlen. Der Beruf des Volksschullehrers ist offenbar schon lange eine Frauendomäne. Florian Salchenegger und Reinfried Lercher haben sich dennoch dafür entschieden. Sie sind in der Endphase des Studiums. Beide haben schon immer gerne mit Kindern gearbeitet. Negative Reaktionen aus dem Umfeld gab es nicht. "Es kann schon sein, dass sich manche Männer schwerer tun mit kleinen Kindern", sagt Reinfried Lercher. Er glaubt, dass auch deswegen so wenige diesen Beruf wählen.

Viel mehr, als dass es fast nur weibliche Kollegen gibt, stört Florian Salchenegger das Ansehen der Lehrer: "Die Menschen glauben, dass das eine leichte Arbeit ist und dass man immer das Gleiche mit den Kindern macht", sagt er. Männerfeindlich sei der Beruf aber nicht, meint er. "Im Gegenteil, wir werden in den Schulen sehr gut aufgenommen. Und die Kinder freuen sich, wenn ein Mann da ist."

Für einige spiele der finanzielle Aspekt eine Rolle, sind sich beide einig. "Viele wollen halt schon Karriere machen", sagt Lercher. Das sieht auch Direktor Barones als größtes Problem. "Es gibt nur eine wirksame Maßnahme: das Gehalt um 30 bis 40 Prozent zu erhöhen." Wünschenswert wäre auch ein stärkeres Fächersystem, ähnlich wie in Deutschland, sagt er. "Werden Volksschullehrer spezialisierter eingesetzt, spricht man automatisch mehr Männer an."

SONJA HASEWEND, CHRISTINA

Single-sex schools better, research shows


[Stuff.co.nz, 20/08/2009]

New research has backed the argument that single-sex schooling narrows the gap in educational achievement between boys and girls, and may even give boys the edge.

Evidence has been mounting in recent years that boys are slipping further behind girls in their schooling.

Statistics from the 2008 NCEA results added fuel to the fire, with girls outperforming boys at every senior level.

Only last month, Auckland researcher Alison Derbyshire said boys would continue to achieve below their potential until schools accepted they learnt differently from girls and looked at initiatives to help them.

Research released today by the University of Otago from the long-running Christchurch Health and Development Study showed that single-sex schooling may be the answer.

The study, published in the Australian Journal of Education, compared the educational achievements of more than 900 boys and girls who attended single-sex and co-educational secondary schools in New Zealand.

It found that for students attending single-sex secondary schools, there was a slight tendency for boys to outperform girls. In contrast, for students attending co-educational schools, there was a clear tendency for girls to outperform boys.
The pattern remained when students were followed up to age 25.

''These findings are consistent with the argument that attending single-sex schools reduces or mitigates the current gap between boys and girls in educational achievement,'' said principal researcher Sheree Gibb.

The effects of single-sex schooling on the gender gap were evident not only at secondary school level, but also in university attendance and results, she said.
The next step was to identify the particular features of single-sex schooling which were responsible for improving the boys' achievements.

Neuer Abschluss macht Lehrerberuf attraktiver

[Die Presse, 06.08.2009]

ERICH WITZMANN

Die Rektorinnen der Pädagogischen Hochschulen sehen die Aufnahmekapazitäten für die Pflichtschullehrer-Ausbildung als erschöpft an. "Die Bachelor-Regelung greift jetzt", sagt Rektorin Ulrike Greiner.

WIEN. „Wir sind alle überrascht worden.“ Dagmar Hackl, Rektorin der Pädagogischen Hochschule (PH) Wien, war auf den Ansturm zu den Lehrerhochschulen nicht vorbereitet. Etwa 800 Anmeldungen liegen vor, 400 bis 450 Studienanfänger kann sie nehmen. Für mehr reicht die Kapazität nicht.

An der Kirchlichen PH Wien/ Krems (KPH) wird die Zahl der Studienanfänger gleich um 50 Prozent steigen (im Vergleich zum Studienjahr 2007/08). „Der Bachelor greift jetzt“, sagt Rektorin Ulrike Greiner. Im Oktober beginnt das dritte Jahr der auf Bachelor-Niveau angehobenen Ausbildung. Es gibt einen akademischen Abschluss und die Möglichkeit, an der Universität ein Masterstudium anzuschließen. Nach einem Kooperationsvertrag der KPH mit der Uni Wien müssen Absolventen ein einsemestriges Übergangsmodul nachholen, dann liegt die Berechtigung zum Masterstudium Bildungswissenschaft vor.

Rektorin Greiner weist aber auch auf den prognostizierten Lehrerbedarf in drei bis fünf Jahren hin. „Es ist kein Beamtenjob mehr, es ist aber ein relativ sicherer Job.“ Schließlich registriert Greiner auch eine höhere Anzahl an Studieneinsteigern, die schon im einem Job tätig waren oder die von der Uni an die PH wechseln.

Chancen in der Hauptschule

Der größere Ansturm betrifft das Volksschullehramt. Deswegen werden Interessenten auf die neuen Chancen in der Hauptschule aufmerksam gemacht, auf ein Upgrading im Rahmen des Schulversuchs Neue Mittelschule und auf das künftige neue Dienstrecht. Einen Studienplatz werden übrigens alle erhalten, die jetzt die Aufnahmetests schaffen.

Auch Dagmar Hackl sieht die Jobgarantie und die Akademisierung der Pflichtschullehrerausbildung als die Hauptargumente für den unerwarteten Andrang. Und auch die aufgehobenen Studiengebühren seien da zu nennen. An ihrer PH müssen alle Interessenten je einen Tag in einer Volksschule, Hauptschule, Sonderschule und AHS verbringen. „Darauf entschieden sich im Vorjahr rund 20 Prozent für einen anderen Beruf.“ Da es nach Ende der Aufnahmetests im September voraussichtlich noch immer zu viele Bewerber sein werden, wird sich die endgültige Zulassung nach den Ergebnissen dieser Tests richten müssen.

Die Wiener Probleme gibt es an der FH Tirol nicht. „Bei uns kommen diese Trends mit einem Jahr Verzögerung“, sagt Vizerektor Georg R. Thaler. Man rechnet nach den Anmeldungen mit einer Steigerung um zehn Prozent. „Die PH platzt aus allen Nähten, für mehr Studierende würden wir mehr Ressourcen brauchen“, sagt Thaler.

Die Werbekampagne, die Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) jetzt starten will, wird in Innsbruck begrüßt. In manchen Tiroler Bezirken treten in den nächsten vier Jahren 50 Prozent der Lehrer in den Ruhestand. In Wien hofft man, dass die Kampagne zur Qualitätssteigerung verhilft. „Sie soll die Besten für uns interessieren“, sagt Ulrike Greiner, „sie soll vor allem auch Männer ansprechen und Leute mit einer anderen beruflichen Praxis“. Derzeit sind zwei Drittel der Lehrer weiblich, an den Volksschulen sogar 89 Prozent. Bei den Direktorenposten sind hingegen 50 Prozent von Männern besetzt.

Greiner glaubt, dass der Lehrerberuf nun auch für männliche Interessenten attraktiver wird. War früher die „Liebe zum Kind“ das ausschlaggebende Motiv für den Beruf, so werden jetzt auch das sachliche Interesse und die Möglichkeit zum Umstieg auf die Uni ins Treffen geführt. Nach ihrer Schätzung wechseln derzeit nur etwa 70 Prozent der Absolventen in den Schuldienst, 30 Prozent überlegen ein weiteres Studium oder einen Job in der Wirtschaft. Meinung S. 27

Jungen geraten ins Hintertreffen

[nnonline, 6.8.2009]

«An Grundschulen unterrichten zu wenig Männer» - Bessere Noten für Mädchen

An Grundschulen sind nicht einmal fünfzehn Prozent der Lehrkräfte männlich. Die Gefahr: Die Bedürfnisse der Buben kommen zu kurz. Wir haben mit Wolfgang Rothemund gesprochen, Vater von vier Jungen und Leiter der Grundschule Bismarckstraße.

Herr Rothemund, warum ist es von Nachteil, dass so wenige Männer an Grundschulen unterrichten?

Wolfgang Rothemund: Es wäre kein Nachteil, würden Lehrkräfte nicht immer auch tradierte Rollenerwartungen weitergeben, das aber geschieht unbewusst. Und da so wenige Grundschulpädagogen männlich sind, sind es vor allem Frauen, die Verhaltensmuster vermitteln und Rollenerwartungen an die Schüler stellen. Das bringt ein Ungleichgewicht mit sich.

Die Eichstätter Pädagogikprofessorin Klaudia Schultheis sagt, die Grundschule sei sehr mädchenorientiert geworden. Wie zeigt sich das?

Rothemund: Die Schüler müssen lange stillsitzen, sollen gut zuhören können, schöne Bilder malen - hier sind Mädchen einfach besser. Studien zeigen auch, dass es einen geschlechterspezifischen Wortschatz gibt. Jungen reden gern über Sport und Autos, Mädchen über Puppen und Mode. Die Sprache im Unterricht sollte beiden Geschlechtern gerecht werden, was aber nicht immer der Fall ist. Das alles kann dazu führen, dass Jungen leichter ins Hintertreffen geraten.

Liegen hier auch Gründe, dass Lehrerinnen bei gleichen Leistungen Jungen schlechter bewerten als Mädchen? Das ergaben Iglu- und Pisa-Studie . . .

Rothemund: Mädchen sind bei der Einschulung reifer und sprachlich gewandter als Jungen. Sie sind feinmotorisch begabter und können schöner schreiben. Sie sind empathischer als Jungen. Das kommt bei Lehrerinnen gut an. Die Vermutung liegt nahe, dass dies - unbewusst - auch zur besseren Benotung von Mädchen führen kann.

Woran zeigt sich noch der Mangel an männlichen Grundschullehrern?

Rothemund: Typisch männliche Verhaltensstereotypen werden von weiblichen Lehrkräften oft früh unterbunden. Eine kleine Rangelei wird schnell als unangebrachte Gewalt gesehen. Dabei geht es hier meist um Hackordnung, das muss auch mal sein, ist Teil der Rollenfindung. Oder: Einmal, zur Fußball-WM, fragte eine Lehrerin, ob ich es nicht unterbinden könne, dass Jungen ihre Fußballbildchen tauschen. Manchmal fehlt einfach Verständnis für Jungen und ihre Art.

Wäre es wirklich ein Nachteil, ginge es im Alltag weniger raubeinig zu?

Rothemund: Es geht hier um anderes: darum, in der Schule die Eigenarten der Geschlechter zu berücksichtigten. Jungen bilden beispielsweise im Lauf ihres Lebens doppelt so viel Muskelmasse aus wie Mädchen, also auch mehr Nervenbahnen. Das heißt, sie müssen sich mehr bewegen, sonst leidet ihre geistige Entwicklung. Daher sollte Unterricht möglichst handlungsorientiert sein. Das kommt den Bedürfnissen der Jungen entgegen.

Was heißt «handlungsorientiert»?

Rothemund: Ein Beispiel aus dem Englischunterricht: Wenn Kinder Vokabeln für «rechts», «links» oder «geradeaus» lernen, muss ich sie auch gehen und gleichzeitig sprechen lassen. Oder: Lernen die Schüler im Sachunterricht die Himmelsrichtungen, ist es sinnvoll, wenn sie mitsamt Kompass bei Sonnenschein ins Freie gehen. Eine spezielle Jungenförderung ist also nicht einmal nötig, wohl aber handlungsorientierter Unterricht.

Und damit wird man dem Bewegungsdrang von Jungen gerecht?

Rothemund: Jungen müssen natürlich auch mal toben und rangeln dürfen. Nicht alles darf sofort unter Gewaltverdacht gestellt werden . . .

Und wenn doch über die Stränge . . .

Rothemund: . . . muss man es nicht immer vor der Klasse ausdiskutieren. Bei Jungen kann es auch sinnvoll sein, sie in strengem Ton zur Räson zu rufen. Das reicht manchmal schon, damit sie von selbst einen Weg finden, ihre Konflikte beizulegen.

Welche Unterschiede gibt es noch?

Rothemund: Jungen lernen mehr über Versuch und Irrtum, experimentieren lieber und er-leben gern den Sachverhalt. Mädchen hingegen wollen vorher erklärt haben, worum es geht. Um auf die Bedürfnisse von Jungen einzugehen, sollten wir also mehr Experimente durchführen und naturwissenschaftliche Themen aufgreifen - am besten schon im Kindergarten.

Warum gibt es eigentlich so wenige Männer an Grundschulen? Liegt es nur an der schlechten Bezahlung?

Rothemund: Die Frage ist, warum es so viele Frauen gibt. Ein Grund ist sicherlich, dass es kaum einen akademischen Beruf gibt, mit dem sich familiäre und berufliche Interessen so gut vereinbaren lassen. Männer streben außerdem mehr in Berufe, die ihnen Aufstiegsmöglichkeiten bieten . . .

Der frühere Kultusminister Schneider meinte, hier müsse sich etwas ändern - hat sich etwas geändert?

Rothemund: In Bayern können künftig nicht nur Gymnasiallehrer befördert werden, ohne eine Funktion zu übernehmen, sondern auch Grund-, Haupt- und Realschullehrer. Wer gut ist, kann befördert werden und mehr verdienen. Dieser Ansatz ist richtig.

Interview: Andreas Dalberg

Team Focus Makes an Investment in Youth


For Boys Who Lack a Father's Guidance, Camp Offers an Opportunity to Learn and Grow

[Washington Post, Tuesday, July 21, 2009]

By Yamiche Alcindor

Five years ago, a brain aneurysm took the life of Cottrell and Cordell Wise's father. Their mother, Kelly Wise, tried to fill the void, but Cottrell's grades fell and Cordell became increasingly attached to his mom.

A year later, Kelly Wise discovered Team Focus, a year-round program and four-day summer camp that changed her boys' lives. A national program that began in 2000 with one camp in Alabama, Team Focus connects more than 1,500 young men who lack father figures to male role models.

"Team Focus has done everything for me," Cottrell said during the Team Focus DC Camp, which kicked off Sunday. He has learned how to knot a tie, how to talk to girls and how to study, he said. "It taught me everything my father couldn't do, and it helped me be a better big brother."
This summer, camps held in 14 cities meshed sports with leadership training and connected young boys with volunteers who keep in touch throughout the year. The program is designed to allow the boys to develop relationships with several men in the hopes of creating a network of role models.

The D.C. camp, which began in 2005, will run through Wednesday. The District chapter serves more than 100 young men year-round.

"This is an investment on the future of this country," said Keith Howard, director of Team Focus DC. "If I can be that substitute dad, and walk with a young man and give him the authority and the affection that a young man craves, then I am making an investment."

The program was founded by ESPN college football analyst and University of Pittsburgh coach Mike Gottfried. He launched the camps with proceeds from the 2000 GMAC Bowl, a college football game held in Mobile, Ala. Gottfried, whose father died when he was 11, wanted to create a program that combined Christian values and sports for boys growing up like he did.

Team Focus and the individual camps are funded by several sources, including personal donations, government grants and corporate sponsorships.

At the District camp, boys spend half their day playing games such as basketball and softball. The other half of the day, speakers cover topics ranging from the emotional consequences of not having a father to lessons on manners, note-taking and personal grooming. A chaplain is also on site to lead Bible study and prayer.

At times, the camp feels like a boot camp. Highly energized staff members spelled out the rules Sunday to the more than 50 campers: Shirts must be tucked in. Heads should always be up and turned toward lecturers. Taking notes is a must. No oversleeping or staying up too late. And no cellphones or other electronic devices to connect with the world outside Team Focus. If a camper breaks the rules, he is asked to leave and is seldom readmitted the next year.

After her husband, Reginald, died, Kelly Wise, who lives in Charles County, said she was confused about how to nurture her boys. "Their father was instrumental in their lives. When he died, I didn't know what to do," she said.

For her, the camp has meant a chance for her boys to learn things she cannot teach them. This year marks 14-year-old Cottrell's fourth year with the camp and 12-year-old Cordell's second year. Howard, who has taken Wise's sons under his wing, calls several times a year to check on the boys.

Wise said the change in her sons is clear. Once a struggling student, Cottrell has landed on the honor roll. Cordell, who at first refused to be away from his mother, now looks forward to sharing time with others.

Adam Mason, 19, a camp volunteer and mentor, came to Team Focus DC as a 13-year-old looking for guidance. "I came out a lot better person then I came in," he said. "This is like a crash course on life." After his first year, he stopped defying his mother's rules and began reading his Bible frequently. Eventually, he made the decision to attend Liberty University, a private Christian school where he will begin his sophomore year in the fall. He credits his decision to attend the university and the success he has achieved as a student to his relationship with Howard.

Beyond the camps, staff members and volunteers take the thousands of Team Focus members across the country to sporting events, give them advice and make themselves available in much the same way a father would.

Kelly Wise hopes her sons will one day give back to the program that has given them so much.
"My vision is that as they get older, they will work in the camp and help other boys that are in their situation," she said.