Showing posts with label Teachers. Show all posts
Showing posts with label Teachers. Show all posts

Bildungsbehörde sucht Grundschullehrer


[Weser Kurier, 22.07.2010]

Von Arno Schupp

Bremen. Frank Dahlenberg ist so etwas wie eine Rarität. Schon an der Universität gehörte er einer Minderheit an, und auch jetzt, im Berufsleben, gibt es nicht viele, die machen, was er macht. Frank Dahlenberg ist Grundschullehrer, einer der wenigen, muss man hinzufügen, denn die Klassen eins bis vier sind klar in Frauenhand. Und das ist aus kinderpsychologischer Sicht nicht unproblematisch.

Gerade einmal zwölf Prozent der Bremer Grundschulpädagogen sind männlich. In den Kindergärten ist die Quote noch geringer, dort sind es gerade mal drei Prozent. Für sich genommen scheint es zwar erst einmal egal, wer den Kindern bei Mathe, Bio und Deutsch auf die Sprünge hilft, oder wer ihnen beim Spielzeug-Sortieren unter die Arme greift. Doch zu der niedrigen Männerquote kommt noch eine zweite Komponente: Die hohe Zahl der allein Erziehenden.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gibt es im Bremen schätzungsweise 23000 alleine erziehende Mütter. 15000 von ihnen haben ein Kind, der Rest hat zwei oder mehr Kinder. Kombiniert man diese Zahlen mit der Männer-Quote in Kindergarten und Grundschule, kann das im ungünstigsten Fall dazu führen, das Kinder bis zur vierten Klasse aufwachsen, ohne eine männliche Bezugsperson zu haben. Und das kann Folgen haben.

Männer spielen bei der Erziehung eine wichtige Rolle

Männer spielen in der Erziehung von Kindern eine wichtige Rolle, denn 'Kinder lernen ihr Sozialverhalten am lebenden Modell', sagt Claus Jacobs, Leiter der Psychologischen Kinderambulanz der Universität Bremen. Kinder können partnerschaftlichen Umgang, in dem Frauen und Männer einander mit Wertschätzung und Respekt begegnen, nur dann erleben, wenn es in ihrem Alltag auch Männer und Frauen gibt. Abgesehen davon ist die klassische Identifikationsfigur für einen Jungen der Mann, und wenn dieses Rollenvorbild in der Erziehung fehle, 'kann dies vorhandene psychologische Probleme durchaus verstärken', sagt der Kinderpsychologe.

Es gibt noch zahlreiche weitere Bereiche, auf die Männer bei der Erziehung Einfluss nehmen. 'Es geht beispielsweise auch um das Beurteilen, ob sich Kinder normal entwickeln oder Verhaltensauffälligkeiten haben.' Jungen würden beispielsweise mehr zum Rangeln und Rumschubsen als Mädchen neigen. Doch was ist noch normal, was schon aggressiv. 'Es ist ein Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau dies beurteilt', sagt Jacobs.

Und noch einen Grund führt er an, warum Männer wichtig sind in der Erziehung. 'In den klassischen Rollen-Stereotypen ist der Mann derjenige, der etwas riskiert, der sagt: ,Das wird schon gut gehen?. Auf der anderen Seite sind die Frauen diejenigen, die auf Sicherheit bedacht sind', erklärt der Psychologe und fügt hinzu: 'Man könnte auch sagen, dass Frauen verantwortungsbewusster sind.' Ein Kind brauche gleichwohl beide Einflüsse, um sich optimal zu entwickeln. 'Kinder brauchen eine ausgewogene Mischung.'

Das Bildungsressort hat Handlungsbedarf erkannt und gemeinsam mit der Universität und den Landesinstitut für Schule eine Kampagne gestartet, um mehr Männer an die Grundschulen zu bekommen. Mit Flyern und auf Fachtagungen werben sie um neue Pädagogen und locken mit den guten Aussichten auf einen sicheren Job, denn in den nächsten zehn Jahren wird eine große Pensionierungswelle durch die Schule rollen. 'Wer jetzt mit einem Lehramtsstudium als Grundschullehrer anfängt, der hat exzellente Chancen, bei uns eine Stelle zu bekommen', sagt Andreas Kraatz-Röper, der bei der Bildungsbehörde für den Bereich Personalmarketing zuständig ist.

Männer in die Grundschulen

'Männer in die Grundschulen' ist das gemeinsame Projekt überschrieben, das auf drei Ebenen Wirkung zeigen soll. Die Studenten, die sich bereits für die Grundschullehrer-Laufbahn entschieden haben, sollen an der Uni bestmöglich unterstützt werden, denn die Abbruch-Quote ist bei Männern hoch. Gleichzeitig soll jungen Männern frühzeitig die Möglichkeit gegeben werden, in den Job hineinzuschnuppern. Und schließlich arbeiten Bildungsressort, Uni und Landesinstitut daran, das Image der Grundschullehrer zu verbessern. Die Kampagne soll zeigen, dass der Job mehr zu bieten hat als ein bisschen singen und basteln. Und sie soll zeigen, dass auch echte Kerle in die Grundschulen passen. Kerle wie Frank Dahlenberg.

Der 40-Jährige ist über den zweiten Bildungsweg an die Grundschule gekommen - wie der überwiegende Teil der männlichen Primarstufen-Pädagogen. Doch das dürfte es mit den Gemeinsamkeiten auch schon gewesen sein. Dahlenberg ist Fußballtrainer und Pilot, war Zeitsoldat, hat anschließend Jura studiert und schließlich auf ein Lehramtsstudium umgeschwenkt. 'Vermutlich familiär bedingt', sagt er, 'denn schon meine Mutter war Grundschullehrerin.' An der Uni waren sie drei Jungs, erzählt Dahlenberg, obwohl das für ihn keine große Rolle gespielt hat. Seine Kommilitonen waren für ihn eher Menschen, die das gleiche Ziel hatten wie er selbst. Mann, Frau, das spielte keine große Rolle. Gleichwohl 'haben wir Jungs uns schnell gefunden', sagt er.

Der 40-Jährige absolvierte Uni und Referendar-Zeit und steht jetzt am Beginn seiner Lehrer-Laufbahn, die für ihn eine Art spät gefundene Profession ist. 'Als Grundschullehrer kann ich die Kinder unterstützen und ihre Entwicklung begleiten', sagt Dahlenberg. Je früher man dabei ansetzt, desto besser sei es doch. Gerade in einem Stadtteil wie Tenever, wo im Familienkreis längst nicht immer alles optimal läuft. 'Hier kann ich den Kinder bessern helfen als in jedem anderen Stadtteil', ist sich der 40-Jährige sicher. Und darum gehe es doch, ums Helfen.

Und wer weiß, sagt er, vielleicht wird es bei ihm ja eines Tages so sein wie bei seiner Mutter. 'Die wird heute noch von ihren ehemaligen Grundschülern angesprochen', erzählt der 40-Jährige. Man grüßt sich, nimmt sich ein paar Minuten zum Reden. Und das auch noch nach all den Jahren.

Familienministerin Schröder will mehr männliche Erzieher in Kitas


[AFP]

Stuttgart — Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will den Anteil männlicher Erzieher in Kindertagesstätten erhöhen. Dazu werde gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit Anfang nächsten Jahres ein bundesweites Umschulungsprogramm starten, kündigte Schröder in den "Stuttgarter Nachrichten" (Dienstagausgabe) an. Damit solle es Männern ermöglicht werden, sich auch noch in späteren Jahren in einer zweijährigen Ausbildung zum Erzieher umschulen zu lassen. Laut Schröder wäre es "bereits ein schöner Fortschritt, wenn es an jeder Kita ein oder zwei Männer gäbe".

Viele junge Männer würden den Erzieherberuf gern ergreifen, trauten sich aber nicht, weil er ein "weibliches Image" habe, meint Schröder. Jungen bräuchten aber männliche Vorbilder. Gerade Kinder von Alleinerziehenden träfen meist erst nach der Grundschule in der weiterführenden Schule auf eine männliche Bezugsperson. Dies könne "entwicklungspsychologisch problematisch" sein, so die Ministerin.

Bund, Ländern und Kommunen hatten vereinbart, bis 2013 für 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren ein Kita-Angebot zu schaffen. Zugleich soll es dann einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung geben, sobald ein Kind ein Jahr alt ist.

Schröder forderte darüber hinaus eine Neuausrichtung der Gleichstellungspolitik. Diese dürfe nicht mehr einseitig auf Frauen ausgerichtet sein. Vielmehr müssten heute auch Jungen aus bildungsfernen Schichten, die häufig einen Migrationshintergrund hätten, gefördert werden. "Ich konnte nie etwas mit einem Feminismus anfangen, der sich in Gegnerschaft zu den Männern begriff", so Schröder. "Der war immer schon problematisch, aber auf jeden Fall sind dessen Zeiten vorbei."

Mit Blick auf die nach wie vor existierenden Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen und das Frauendefizit in Führungspositionen betonte Schröder, die Frauenförderung sei nicht allein Sache des Staates. Der Mangel an Frauen in Spitzenpositionen liege auch an einer "falschen Unternehmenskultur", am "Leitbild des Managers mit mindestens 60 Wochenstunden, der gar keinen Raum für familiäre Verpflichtungen hat". Dies sei für jeden Mann oder jede Frau, die familiäre Verantwortung übernehmen wollten, "abschreckend".

Männliche Vorbilder fehlen


[Westfaelische-nachrichten, 08 · 07 · 10]

Laer - Egal, ob bei Pisa oder in der Schule, zwischen Mädchen und Jungen lassen sich gravierende entwicklungsmäßige Unterschiede feststellen. „Viele Beobachtungen bestätigen das,“ erklärt die Geschäftsführerin der Initiative für Kinder und Jugendliche, Inge Behler, und meint damit eine steigende Leistungsverweigerung der Jungen. Zudem ließen sich extremere Verhaltensweisen feststellen, die von stark introvertiert bis zur Aggressivität reichten.

Für Inge Behler hat dieses Verhalten vor allem einen Grund. „Jungen haben meistens kein männliches Vorbild, sondern kennen nur weibliche Bezugspersonen und werden mit weiblichen Bedürfnissen konfrontiert“. Dies finge bereits im Kindergarten an, wo es fast nur weibliche Betreuer gäbe. Ebenso würden die Mädchen und Jungen anschließend in der Grundschule hauptsächlich oder gar komplett von Lehrerinnen unterrichtet.

„Wir haben hier in Laer eine extreme Zunahme an verstorbenen Elternteilen,“ schildert Behler ein weiteres Problem. Diese unvollständige Familiensituation verschlimmere die Lage nochmals.

Um die Jungen möglichst nicht auf die schiefe Bahn abgleiten zu lassen, hatte die Initiative vor zwei Jahren ein Sozialkompetenztraining mit einem entsprechendem männlichen Trainer vor Ort angeboten. Einmal pro Woche trafen sich dabei rund ein Dutzend Jungen der dritten Klasse, um gemeinsam zu arbeiten oder teilweise auch Aktionen, wie beispielsweise Kartfahren durchzuführen. „Es fängt mit dem respektvollen Umgang an,“ beschreibt Behler die Strategie. Da der Erfolg vor allem ab der dritten Klasse nicht mehr zu erkennen sei, wolle man jetzt dort ansetzen.

Nach zwei Jahren Förderung hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe nun die Gelder für das Projekt gestrichen. Auch die Gemeinde kann die erforderlichen Mittel derzeit nicht aufbringen. Um das Projekt dennoch fortführen zu können, hatte sich die CDU-Fraktionsvorsitzende und Ortsvorsteherin von Holthausen, Margarete Müller, an den Kreistagesabgeordneten Günter Badersbach gewandt. Der Altenberger Christdemokrat wiederum hatte Landrat Thomas Kubendorff eingeschaltet, der die Kreissparkasse Steinfurt als finanziellen Unterstützer für dieses Jahr gewinnen konnte. Die Spende in Höhe von 2000 Euro, die der Kreissparkassenvorsitzende Heinz-Bernd Buss zur Verfügung gestellt hat, übergab Kubendorff jetzt der Initiative in der Sparkassenfiliale in Laer.

Zwischen den Herbst- und Winterferien wird das Sozialkompetenztraining zum dritten mal gestartet. Für die 46 Jungen der dritten Klasse, die das Projekt freiwillig in Anspruch nehmen können, ist die Teilnahme, abgesehen von möglichen Ausflügen kostenlos. Da das Projekt bislang außerschulisch betrieben wird, wollen die Mitwirkenden mit einem Antrag an das regionale Bildungswerk nun versuchen, eine Einbindung des Sozialkompetenztrainings in das Schulleben zu erreichen. Dann könnte es auch jüngeren Schülern angeboten werden. Das Ergebnis würde sich sicherlich bei Pisa widerspiegeln, zeigten sich die Beteiligten überzeugt.

„Das sind schon tolle Erfahrungen“


[Rundschau Online, 07.07.10]



Das Dilemma ist seit gut drei Jahrzehnten zu beobachten: Im Kindergarten treffen Kinder vor allem auf Erzieherinnen. In der Grundschule haben sie es ganz überwiegend mit Lehrerinnen und nur in seltenen Ausnahmefällen mit männlichen Lehrern zu tun.


AGATHABERG - Das Dilemma ist seit gut drei Jahrzehnten zu beobachten: Im Kindergarten treffen Kinder vor allem auf Erzieherinnen. In der Grundschule haben sie es ganz überwiegend mit Lehrerinnen und nur in seltenen Ausnahmefällen mit männlichen Lehrern zu tun.

Was Jungs heute vor allem fehlt, sind männliche Identifikationsfiguren. Also startete die Katholische Grundschule Agathaberg im Februar in eigener Regie die Aktion „Mann werd Lehrer“ (die BLZ berichtete).

Mit Plakaten um Lehrer geworben

„Wir haben zwar nicht beim Wettbewerb des Ministeriums gewonnen, aber unsere Aktion ,Mann werd Lehrer war nicht umsonst. Immerhin haben wir nun zwei Praktikanten“, berichtet Stefan Wittkampf, Leiter der Agathaberger Grundschule.

„Wir haben selber mit großem Aufwand attraktive Werbeplakate gestaltet, die wir nicht nur in den Gymnasien von Wipperfürth und Lindlar, sondern auch im Wipperfürther Berufskolleg und in den Gesamtschulen von Marienheide und Kürten aufgehängt haben. Immerhin haben wir nun zwei Praktikanten gefunden.“

Dennis Dlugi, 18 Jahre, der das Berufskolleg in Wipperfürth besucht, und der Lindlarer Gymnasiast Julian Müller machen gerade ein zwei- bis dreiwöchiges Schulpraktikum an der Agathaberger Grundschule. Vor allem die Jungs in der Grundschule brauchen auch männliche Identifikationsfiguren. „Ich möchte zwar später wahrscheinlich nicht unbedingt Lehrer werden und in den Schuldienst gehen. Aber es macht mir unheimlich viel Spaß, den Kindern etwas beizubringen“, sagt Julian Müller. „Ich wollte als erstes an eine Lindlarer Grundschule. Doch das ging nicht. Dann erfuhr ich von der Grundschule Agathaberg“, berichtet er. „Es sind schon tolle Erfahrungen, die man hier macht. Mir gefällt am besten, dass ich mich hier selber wiedererkenne, wie ich in dem Alter der Grundschüler war“, meint Dennis Dlugi.

Zu tun gibt es für beide genug: Sie sind bei der Nachmittagsbetreuung aktiv, sie helfen den Kindern bei den Hausaufgaben. Sie helfen auch morgens im regulären Unterricht, sorgen für Ruhe, wenn die Lehrerin mal die Klasse verlässt. Sie helfen bei der Vorbereitung für ein Schulfest oder in der Theater-AG mit. Auch um die Technik kümmern sie sich. Sie schließen den Beamer an, schauen nach den Rechnern oder helfen in der Küche und beim Spülen.

Morgens treffen sich die beiden, planen den Tag und teilen die Aufgaben ein. Beide Praktikanten finden es gut, dass sie zu zweit an der Grundschule sind. „Da kann man Sachen besser absprechen und Erfahrungen austauschen“, sagt Julian Müller. Auch bei den Kindern kommen sie gut an: „Sie freuen sich und fragen, ob wir mit zum Fangen oder zum Fußballspielen kommen wollen.“

Grundschulen: Fest in Frauenhand


[Newe OZ, 23.juni 2010]

Von Cristina Schwietert


BIPPEN. Grundschulen sind fest in Frauenhand. In der Regel ist der Hausmeister Hahn im Korb. In Bippen, an der Maiburg-Grundschule, ist das anders: Dort gibt es zwei Männer. Besagten Hausmeister und einen jungen Lehrer, Frank Kämper. Das gibt es nicht mehr oft.

Der 37-Jährige arbeitet seit sechs Jahren an der Maiburg-Grundschule, seit einem Jahr ist er dort auch Schulleiter. Er gehört eigentlich – weil einer wie er so selten vorkommt – auf die Rote Liste einer vom Aussterben bedrohten Art: Grundschullehrer, männlich, jung. Die kommt bei uns im Nordkreis nämlich so gut wie gar nicht mehr vor, was durchaus dem Bundestrend entspricht.

Männer verschwinden seit Jahren aus den Schulen, allenfalls an den Gymnasien gibt es noch ausreichend Nachwuchs. Die Gründe liegen unter anderem in der schlechten Bezahlung der Grundschullehrer, Frauen lassen sich das eher gefallen.

Dabei sind Männer gerade in Grundschulen, vor allem für Jungen, ganz wichtig, haben Bildungsforscher festgestellt, vor allem wegen der Auseinandersetzung mit der eigenen Rollenidentität, zumal Väter in auseinanderbrechenden Familien oft nicht mehr ausreichend präsent sind. Kleine Jungen sollten nicht nur von Frauen lernen, was ein Mann ist. Sie brauchen männliche Vorbilder, heißt es immer wieder.

Frank Kämper jedenfalls nimmt die Diskussion über Männer an Grundschulen gelassen. Er ist Grundschullehrer geworden, weil das sein Traumjob ist. Er propagiert eine offene Unterrichtsweise. In seiner zweiten Klasse sind die Tische leer, bis auf eine Trinkflasche, die Schüler sitzen in Gruppen zusammen, das Lehrerpult steht ganz in der Ecke – eigentlich ist es gar nicht da, und vor allem sitzt Frank Kämper nicht daran. Es geht unerwartet ruhig zu. Die Schüler dürfen aussuchen, ob sie zuerst Mathe- oder Deutschunterricht haben wollen. Sie lernen in Gruppen, ziemlich selbstbestimmt, sehr geordnet und erstaunlich konzentriert. „So haben die Schüler viel Freiraum, sie sitzen auch nicht 45 Minuten auf dem Stuhl, das kommt gerade den Jungen sehr zugute“, erklärt er. Und genau das kann ein Mann am besten einschätzen – im Interesse der Jungen, im Interesse der Schule überhaupt.

Allein unter Frauen

[Mein Dienstag, Wattenscheid, 28.05.2010]

Annette Wenzig

Wattenscheid. Er selbst sieht sich eher als Exot denn als Quotenmann. „Eine Männerquote gibt’s bei uns ja nicht“, sagt Norbert Sanner. Gäbe es sie – vielleicht würde der 45-Jährige nicht allein unter Frauen arbeiten. Sein Beruf: Grundschullehrer.

Ganz bewusst hat der Pädagoge, seit zwei Jahren an der Gertrudisschule, diese Laufbahn gewählt. „Die Möglichkeit, prägenden Einfluss zu nehmen, ist in den ersten Klassen am höchsten. Das hat mich gereizt.“ Damit steht Sanner als Mann allerdings relativ allein auf weiter Flur: Mehr als 80 Prozent aller Lehrkräfte an Grundschulen sind weiblich.

Während seines Studiums ist Sanner sein Exotenstatus noch nicht so deutlich geworden. „Da gibt es ja generell mehr Leute, und die Männer suchen und finden sich untereinander“, erinnert er sich. „So war es auch im Referendariat.“ Doch angekommen im Schulalltag hat der Pädagoge es mehr als einmal erlebt, der einzige Mann im Kollegium zu sein. „Vor zwanzig Jahren“, sagt er, „gab es an jeder Grundschule noch ein, zwei Männer. Jetzt bin ich meist der einzige.“

Dabei, findet Sanner, sei es für Jungen in einer von Frauen dominierten Umwelt wichtig, positive männliche Vorbilder zu haben. „Es gibt viele allein erziehende Mütter, und im Kindergarten arbeiten fast ausschließlich Frauen“, zählt er auf. So seien die Bilder, die viele Kinder von Männern haben, „Abziehbilder, Schablonen aus dem Fernsehen“.

Was genau den Unterschied ausmacht, kann Norbert Sanner gar nicht so genau sagen. „Aber ich denke, dass ich mit den Jungs hier anders umgehe, als manche Kolleginnen es tun.“ Und er nennt auch gleich ein Beispiel: „Jungs sind körperlicher und versuchen deshalb, auch Konflikte körperlich zu lösen. Ich denke, das wird von Frauen nicht unbedingt immer so akzeptiert.“ Die Kolleginnen an seiner letzten Schule in Sprockhövel, erzählt Sanner, hätten auch festgestellt, dass Männer an viele Dinge gelassener herangingen, es ihnen oftmals leichter falle, Fünfe gerade sein zu lassen. Die Kinder jedenfalls, sagt Sanner, fänden es cool, einen Mann als Lehrer zu haben. „Vor allem die Jungs.“

Woran es liegt, dass er als Grundschulpädagoge allein auf weiter Flur ist, kann Sanner nur mutmaßen. „Ich denke, der Beruf hat ein Imageproblem. Es herrscht die Meinung: Kleinen Kindern das bisschen Schreiben, Lesen und Rechnen beibringen, das kann doch jeder, dazu muss man nicht studieren.“ Oft höre er zwar, er habe einen interessanten Job, „aber es gibt wohl auch diesen Teil, den die Leute nur denken: ,Konnte der sich keinen vernünftigen Job suchen’ oder ,Das ist doch nur was für Frauen’“. Dass seine Arbeit vergleichsweise schlecht bezahlt wird – auch das könne ein Grund für den Mangel an männlichen Pädagogen sein. „Aber mir war schon mit zwanzig klar, dass man als Akademiker, wenn man Karriere machen und viel Geld verdienen will, im Lehramt nicht richtig aufgehoben ist.“ Für ihn habe das aber nie eine Rolle gespielt, sagt Sanner. „Ich fand Grundschule schon immer am spannendsten. Ich komme mit den Kleinen gut klar – es ist einfach das, was mir am ehesten liegt.“

Volksschule bald männerfreie Zone


[Kleine Zeitung, 18.04.2010]

Nur noch acht Prozent der Volksschullehrer sind männlich. Was sind die Folgen, wenn männliche Bezugspersonen fehlen?

Harald Schabus gehört einer Minderheit an. Der Grazer Volksschullehrer zählt zu jener Minderheit männlicher Pädagogen, die sich in der Steiermark noch um die jüngsten Schulkinder kümmern. 3768 Lehrerinnen stehen nur noch 332 Lehrern gegenüber. Ein österreichweiter Trend, der sich seit Jahren verstärkt. Immerhin unterrichteten 1971 noch 45 Prozent männliche Pädagogen in den Volksschulen.

Ursachen für den dramatischen Rückgang gibt es viele. Harald Schabus führt ihn unter anderem auf Bezahlung und Image zurück. Warum er selbst sich für die Volksschule entschieden hat? "Die Arbeit mit jüngeren Kindern war mir sympathischer, weil sie noch offener sind. Was man gibt, bekommt man zurück."
Als einen der Gründe für den Rückgang ortet auch der Innsbrucker Pädagogik-Professor Josef Aigner das veränderte Berufsbild und den Imageverlust. "Die kognitive Wissensvermittlung ist früher im Vordergrund gestanden, heute ist es der sozial-pädagogische Bereich. Männer wollen aber Wissen vermitteln. Dazu kommt, dass Lehrer bei uns als halbtags beschäftigte Fußabstreifer der Nation gelten."


Wesentlich für Aigner ist eine Änderung der gesamten Ausbildung: "Wir bräuchten ein Image des Volksschullehrers als Spezialist für die Kindheit insgesamt."
Über die Auswirkungen des "Weiblichkeitskäfigs", in dem sich Kinder zunehmend befinden, sind sich Experten noch uneinig. "Wir wissen es nicht genau. In einer weiblich betonten Welt finden aber männliche Eigenschaften weniger Platz. Im Kindergarten haben wir gesehen, dass Kinder mehr toben, körperlich stärker agieren, sobald ein Mann mit ihnen spielt. Sie müssen weniger unterdrücken."
Harald Schabus kommt nach 26-jähriger Berufserfahrung zu einem ähnlichen Schluss: "Buben brauchen das männliche Vorbild. Es wäre wünschenswert, wenn Kinder mehr männliche Bezugspersonen hätten."


Die stellvertretende Präsidentin des Landesschulrates, Elisabeth Meixner, kennt das Problem seit Langem. "Die Schulen verweiblichen. Tragischerweise geschieht das fast unbemerkt und es gibt kaum Strategien, um diesem Trend entgegenzuwirken." In einem Pilotprojekt ermöglicht sie nun AHS-Schülern, Volksschulen zu besuchen. "In den nächsten zehn Jahren geht die Hälfte der Lehrer in Pension. Ziel wäre es, möglichst viele Männer für diesen Beruf zu gewinnen."

Ein Mann in einem Frauenberuf

[InFranken, 17.04.10]

Boys' Day Am 22. April will der Boys'Day junge Männer für angeblich typisch weibliche Berufe interessieren. Grundschullehrer Andreas Emmerling will Kindern ein Vorbild sein.

"Fachlich sind Frauen und Männer gleich gut", betont der Grundschullehrer und Konrektor der Kunigundenschule, Andreas Emmerling, in Bezug auf sein Fachgebiet.

Doch nicht nur deshalb wünscht sich der Hallstadter ein ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis in der Grundschulbildung.

Von gleichstarken Lehrer- und Lehrerinnenfraktionen ist die Realität laut Emmerlings Erfahrung noch weit entfernt. "In der Kunigundenschule gibt es außer mir nur noch einen Fachlehrer."

Auch während seiner Ausbildung in den 90er Jahren waren die Damen in der Überzahl. "Die meisten männlichen Lehrer, die in Grundschulen unterrichten, stammen noch aus der alten Lehrerbildung."

Erst seit den 70er Jahren gibt es eine getrennte Ausbildung für Grund- und Hauptschulpädagogen. Und vor allem Frauen entschieden und entscheiden sich heute, Lehrkräfte für die ersten vier Klassen zu werden.

Sein Studium begann Andreas Emmerling mit nur einem weiteren männlichen Mitstreiter. Und auch heute betreut der Hallstadter, der Referent für angehende Lehrkräfte im Referendariat und Praktikumslehrer für die Uni Bamberg ist, überwiegend Studentinnen: "Im letzten Studienseminar waren es nur Frauen. Bei den Praktikanten waren zwei Studenten in der Gruppe - eine echte Ausnahme".

Dass er wegen seiner Berufswahl als unmännlich belächelt wurde, ist Andreas Emmerling noch nicht passiert. Doch er kennt die gängigen Vorurteile, zu denen "Halbtagsjob" aber auch "Frauenberuf" gehört. "Doch die Akzeptanz des Grundschullehramts als wichtiger Beruf steigt." Zu recht, meint der Hallstadter; "Erziehen bedeutet, an der Zukunft des Landes mitzuarbeiten."
Gerade weil jeder seine eigene - und damit auch die geschlechtertypische - Sozialisation mit in den Unterricht einbringt und eine Vorbildfunktion für die Schülerinnen und Schüler hat, hält der Konrektor der Kunigundenschule mehr Lehrer für wichtig. Wenn männliche Bezugspersonen in Familie und Schule fehlen, besteht für Emmerling die Gefahr, "dass sich Kinder anderswo falsche Vorbilder suchen." Beispiele, wie sich Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht ergänzen und wie durch Lehrer Klischees abgebaut werden können, gibt es für Andreas Emmerling viele: Männliche und weibliche Pädagogen bringen in ein Thema unterschiedliche Aspekte - wie soziale oder technische - mit ein, Lehrer zeigen, dass Aufräumen und Putzen nicht nur Frauensache sind, Frauen packen im Werkunterricht an - oder umgekehrt: "Ich selbst habe in meinem Werkuntericht auch schon gestrickt."

Der Mann in der Krise

[KSTA, 09.04.10]

Von Jasmin Michels

Es steht nicht gut um den Mann. Der Feminismus hat die traditionelle Bilderwelt der Männlichkeit zerstört, meint etwa der Soziologe Walter Hollstein. Das hat gerade erst der Internationale Männerkongress in Düsseldorf gezeigt.


Frauen werden heute Kanzler und Fußballweltmeister, tragen die Jeans genauso selbstverständlich wie den Rock und besetzen immer öfter ehemals männliche Territorien - ohne dabei ihre Weiblichkeit einzubüßen. Viele Männer wissen dagegen nicht mehr, wo eigentlich noch Raum für ihre Männlichkeit bleibt - und was diese eigentlich ausmacht. Die allgemeine Verunsicherung beim männlichen Geschlecht ist entsprechend groß. Das haben ihm gerade erst die Teilnehmer des „Internationalen Männerkongress“ an der Uni Düsseldorf bescheinigt.

„Der Feminismus hat die traditionelle Bilderwelt der Männlichkeit zerstört“, sagt etwa der Soziologe Walter Hollstein, „was den Mann einst zum Mann machte, wird heute stigmatisiert.“ Die maskuline Identitätskrise lasse sich dennoch nicht an den Feminismus binden, räumt er ein. Die Ursachen liegen woanders: „Vielen Jungs fehlt das männliche Vorbild“, erklärt Kongressveranstalter Matthias Franz, Professor für psychosomatische Medizin. Jedes fünfte Kind wächst heutzutage mit nur einem Elternteil auf, 85 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter. „Unter dem abwesenden Vater leiden besonders die Jungen“, so Franz. Denn während bei Mädchen die primäre Bindungsperson und das sexuelle Rollenvorbild identisch sind, fehlt den Jungs oft nicht nur in der Familie, sondern auch in den Kindertagesstätten und Grundschulen das entsprechende Rollenvorbild.

Oft fehlt Jungen die männliche Bezugsperson

Männliche Erzieher und Grundschullehrer sind nach wie vor rar, daran hat auch die Forderung der früheren Familienministerin Renate Schmidt nach mehr Männern in der Kindererziehung nichts geändert. Dass Männer ein Problem damit haben, in vermeintlich feminine Berufsbereiche vorzudringen, mag eben genau damit zusammenhängen, dass „Jungs Weiblichkeit durch fast ausschließlich feminine Bezugspersonen als dominant erfahren und sich schließlich gegen alles wehren, was im Verdacht steht, sie zu verweiblichen“, so Franz. Walter Hollstein fürchtet, dass die überwiegend weiblichen Bezugspersonen dem Naturell der Jungen nicht gerecht werden: „Wenn Tom Sawyer und Huckleberry Finn heute leben würden, man hätte ihnen vermutlich ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom diagnostiziert.“ Vaterlose Jungen zeigen, meint Matthias Franz, häufiger Verhaltensauffälligkeiten als Jungen aus Familien mit zwei Elternteilen und Mädchen im Allgemeinen. „Der fehlende Vater wirkt sich nicht nur auf die Rollenfindung negativ aus, sondern vermutlich auch auf ihr späteres Frauenbild“, so Franz. „Wenn der Anteil früh verunsicherter Jungen weiter steigt, werden unseren starken Frauen die passenden Partner ausgehen.“

Der Bildungswissenschaftler Klaus Hurrelmann hat ermittelt, dass den 80 Prozent der Frauen, die Familie und Beruf vereinen wollen, heute Männer gegenüberstehen, die sich zu 60 Prozent nach einem traditionellen Familienbild mit dem Mann als Alleinverdiener sehnen. Zudem sinkt bei Männern der Wunsch nach Familie und Kindern. Nach Fortschritt hört sich das nicht an.

Männer leiden mehr unter Trennungen

Männer, die ihre Söhne - und Töchter - verlassen, sind dabei oft selbst verlassen worden: Zu 70 Prozent sind es die Frauen, die die Initiative für eine Scheidung ergreifen. Ihnen gelingt es auch eher, die Trennung als eine neue Herausforderung zu sehen. Die Männer dagegen kommen mit einer Trennung weitaus weniger gut zurecht als angenommen, wie die von dem Soziologen Gerhard Amendt geleitete Bremer Studie „Scheidungsväter“ zeigt. Ihr Leben gerät, genau wie das ihrer Söhne, in ziemliche Unordnung.

„Die zweitschlimmste Krise, in die ein Mann geraten kann, ist nach dem Tod des Partners die Scheidung“, sagt Amendt, der heute an der Universität in Wien lehrt. Für seine Studie befragte er 3600 in Trennung lebende Männer zu ihren Erfahrungen und kam zu dem Schluss, „dass eine Scheidung für einen Mann ein großes Risiko darstellt.“ 21 Prozent der in der Studie befragten Männer gaben an, nach der Scheidung das Interesse an ihrem Beruf verloren zu haben, 76 Prozent klagten über körperliche oder seelische Beschwerden.

Dabei ist es nicht nur der Verlust der Partnerin, sondern vor allem auch die Trennung von den Kindern, die den Vätern zu schaffen macht. Die genannten Probleme waren dann eher von vorübergehender Natur, wenn dem Mann nach der Trennung ein regelmäßiges Umgangsrecht mit den Kindern eingeräumt wurde. 18,2 Prozent der Väter gaben jedoch an, nach der Trennung keine Möglichkeit mehr zu haben, ihre Kinder zu sehen.

Die meisten (34,8 Prozent) sehen ihre Kinder nach dem Berliner Modell nur jedes zweite Wochenende. Viele Väter bemühen sich zwar, die Beziehung zum Nachwuchs nach der Trennung aufrecht zu erhalten, scheitern aber in der Praxis. Häufig deshalb, weil die ehemaligen Partner heute unüberbrückbare Differenzen trennen und der Mann das Umgangsrecht nicht durchsetzen kann. Oft sind es die Frauen, die den Kontakt von Vater und Kindern unterbinden, wie Amendts Studie zeigt - ein Vorgehen, das womöglich beiden, Vätern und Kindern, schadet.

„Vor allem für Männer aus unteren Schichten ist mit der Familie Sinnstiftung verbunden“, berichtet Amendt. Das erklärt auch, warum viele Männer nach einer Scheidung das Interesse an ihrem Beruf verlieren. „Sie arbeiten hauptsächlich deshalb, um die Familie am Leben zu erhalten“, so der Soziologe. Wer dagegen viel Zeit in seine Ausbildung gesteckt habe, habe häufig einen Beruf, der ihm auch Spaß mache, der nicht nur als Geldquelle betrachtet wird und somit auch nach der Trennung noch gerne ausgeführt werde.

Viele Scheidungsväter suchen Hilfe beim Therapeuten

Während Männer sich in anderen Bereichen häufig scheuen, fremde Hilfe anzunehmen, holten sich der Studie zufolge immerhin 33,6 Prozent der teilnehmenden Scheidungsväter nach eigenen Angaben Hilfe bei einem Psychotherapeuten.

Das Fehlen des Vaters ist kein neues Phänomen. Ein Viertel aller Kinder ist bereits nach dem Zweiten Weltkrieg ohne Vater aufgewachsen. Schließlich waren 86 Prozent der Männer Soldaten, jeder achte männliche Deutsche starb im Krieg, viele andere kehrten traumatisiert zurück, unfähig, am Familienleben teilzunehmen. Langjährige Studien zeigen: Auch nach 50 Jahren besteht bei den deshalb vaterlos aufgewachsenen Kindern eine mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen, allen voran Depressionen. Grund hierfür ist nicht nur das fehlende Vorbild, sondern auch der überforderte alleinerziehende Elternteil. Die Düsseldorfer „Alleinerziehendenstudie“ zeigte: Alleinerziehende Mütter sind oft hoch belastet, leiden häufig unter Selbstzweifeln, Einsamkeit und Armut. „Dies beeinträchtigt ihre Empathie, die Mutter-Kind-Kommunikation ist gestört“, erklärt Matthias Franz. Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern sind oft die Folge, ganz besonders bei Jungen, die ohne Vater aufwachsen. Sie leiden mit höherer Wahrscheinlichkeit an psychischen Erkrankungen.

Abwesend bleiben die deutschen Väter laut Franz heute sogar dann, wenn keine Trennung erfolgt - etwa weil sie beruflich stark eingespannt sind. Nur 18 Prozent aller Väter nehmen die Möglichkeit der Elternzeit wahr. Die Wissenschaftler fordern daher: „Wir brauchen Hilfsangebote für alleinerziehende Mütter, eine Stärkung auch für Väter und Jungen sowie eine vermehrte männliche Präsenz in Kitas und Schulen.“

Hagener Grundschulen gehen die Männer aus


[Der Westen, 07.04.2010]

Hagen. Den Hagener Grundschulen gehen die Männer aus. 381 der 433 Grundschullehrer sind Frauen, das entspricht einer Quote von 88 Prozent. Auch bei der Schulleitung, einer ehemaligen Männerdomäne, haben die Frauen das Ruder übernommen.

In den Lehrerzimmern der Hagener Grundschulen sitzen deutlich mehr Frauen als Männer. Auch bei den Rektorenstellen, einst traditionell eine Männerdomäne, hat eine Wachablösung stattgefunden. 24 der 33 städtischen Grundschulleiter in Hagen sind Frauen. Gibt es bald keine männlichen Pädagogen mehr in der Stadt?

Beruf hat für männliche Lehramtsstudenten die Anziehungskraft verloren

Der Frauenanteil bei den Grundschullehrern sei traditionell hoch, weiß Anne Gevers Naundorf, Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hagen: „Aber nun sind wir doch an einem Punkt angelangt, an dem es gilt, wieder mehr männliche Kollegen in die Kollegien einzubinden.”

Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Der Beruf des Grundschullehrers hat für männliche Lehramtsstudenten in den vergangenen Jahren offenbar jegliche Anziehungskraft verloren. Es gibt kaum Bewerber.

Einer der Gründe für das männliche Desinteresse könnten die fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten in der Grundschule sein, vermutet Gevers Naundorf: „Männer erheben eher als Frauen den Anspruch, Karriere zu machen und befördert zu werden.” Das sei an weiterführenden Schulen über mehrere Gehaltsstufen hinweg möglich, an den Grundschulen gebe es lediglich den Aufstieg zum Rektor oder Konrektor: „Und diese Stellen sind oft auf viele Jahre hinweg besetzt.” Möglicherweise glaubten Männer auch, mit kleinen Kindern nichts anfangen zu können: „Sie meinen wohl, dass Grundschulpädagogik eher eine weibliche Seite hat.”

Das weibliche Übergewicht wird sich noch verstärken

Ausgerechnet der Frauenförderplan, der trotz des gewaltigen Überschusses an Lehrerinnen nach wie vor in Kraft ist, appelliert nun an männliche Pädagogen, sich als Grundschullehrer zu bewerben. Denn es gibt Vermutungen, dass die weibliche Übermacht an den Grundschulen männliche Schüler benachteiligt. Fakt ist, dass Jungen weniger gefördert, schlechter benotet und seltener fürs Gymnasium empfohlen werden als Mädchen. Ob das mit der „Feminisierung” der Lehrerschaft zusammenhängt, wird zurzeit wissenschaftlch untersucht.

Vieles deutet daraufhin, dass sich das Übergewicht des weiblichen Geschlechts weiter verstärken wird. Zum 1. Februar wurden in Hagen acht neue Grundschullehrer eingestellt. Ausschließlich Frauen.


Volksschullehrer fürchten um männliche Identität


[Der Standard,15. März 2010]
Und den Vorwurf der Pädophilie - Geld allein kann nicht mehr Männer in Beruf bringen

Wien - An Volksschulen unterrichten zu 89,6 Prozent Frauen. Warum sich nur so wenige Männer für diesen Beruf entscheiden, zeigt eine Studie von Karin Plattner von der Pädagogischen Hochschule Tirol in der Zeitschrift "Erziehung und Unterricht". Zur Anhebung der Männerquote müsste sich demnach vor allem das Image des Berufs bessern. Derzeit leiden Volksschullehrer nämlich unter der Sorge, ihre männliche Identität zu verlieren. Außerdem glauben sie, sich gegen den Vorwurf der Pädophilie verteidigen zu müssen.

Plattner hat in 30 psychologischen Tiefeninterviews bewusste und unbewusste Einstellungen von Volksschullehrern zu ihrem Beruf abgefragt. Dass so wenige Männer als ersten Beruf jenen des Volksschullehrers wählen, dürfte auch mit dem Alter für die Berufsentscheidung zu tun haben. Zu diesem Zeitpunkt würden diese "noch voll in ihrer Identitätsfindung stecken". Dementsprechend würden unmittelbare Maßnahmen zum Beispiel über Änderungen im Gehaltssystem "zu kurz greifen", Volksschullehrer müssten auch mehr Wertschätzung erfahren.

"Angst vor Verweiblichung"

Die Studie zeigt, dass engagierte Volksschullehrer oft Dinge tun, die "als weiblich" gelten, etwa Märchenerzählen oder das Spielen mit Fingerpuppen. "Die pädagogische Arbeit, die ein Volksschullehrer leistet, wird leider oft nur von den Müttern geschätzt", beklagt ein Befragter. Die Volksschullehrer versuchen dieser "Angst vor Verweiblichung" durch mehr Strenge und Regeln zu begegnen. Sie glauben, dass von Männern in ihrem Beruf auch mehr Autorität und Konsequenz in der Kindererziehung erwartet wird. Von ihren weiblichen Kolleginnen werden sie für ihren distanzierteren Umgang mit den Kindern laut den Interviews sogar beneidet. Hinter dieser Distanz dürfte allerdings auch die Angst stecken, der Pädophilie bezichtigt zu werden. "Wenn Kinder zu stark meine Nähe suchen und sich richtig anlehnen, dann komme ich manchmal in Bedrängnis", so ein Volksschullehrer.

"Mehr gesellschaftliche Wertschätzung"

In fast allen Interview sprechen die Befragten von der "Berufung zum Lehrberuf", sie identifizieren sich voll mit ihrer Arbeit. Offenbar sind die Freiräume - große Eigenverantwortlichkeit, freie Zeiteinteilung und die Möglichkeit, sich über Hobbys oder Zweitberuf zu verwirklichen - Grund genug, trotz geringer Aufstiegsmöglichkeiten langfristig in diesem Berufsfeld zu bleiben. Volksschullehrer pendeln stark zwischen "dem Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Wertschätzung und dem Genuss großzügiger Freiraumgestaltung", so Plattner, und glauben oft, sich rechtfertigen zu müssen. So sagt einer der Interviewten: "Ich schäme mich nicht, dass ich Volksschullehrer bin, obwohl ich es nicht offen sagen würde." (APA)

Kinder sind keine Frauensache

[Der Freitag, 09.03.2010]

Männer als Grundschullehrer sind eine Seltenheit. Ein Besuch an einer Hamburger Grundschule, wo sich zwei Männer nicht von Vorurteilen abschrecken lassen

Nils Schuler gibt alles. Der Mann im fliederfarbenen Hemd macht vier Schritte nach vorne, vier nach hinten und hüpft in die Luft. Die Kinder stehen in Viererreihen und warten auf ihren Einsatz. Nils Schuler ist Grundschullehrer. An diesem Morgen unterrichtet er Musik und Motorik, er gibt aber auch Sport, Mathe und Deutsch in den Klassen eins bis vier. Schuler macht einen Job, für den sich nur wenige Männer interessieren. In Zahlen kommen nach Angaben des statistischen Bundesamtes auf 73.578 Frauen 19.106 Männer. Das sind 20,6 Prozent. Zum Vergleich: An Gymnasien sind es fast 60 Prozent, also mehr Männer als Frauen.

Kinder wachsen bis zu den weiterführenden Schulen überwiegend unter Frauen auf. Einer, der diesen Zustand für wenig erbaulich hält, ist der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Er sagt: „Das Phänomen kann dazu führen, dass manche zum ersten Mal im Alter von zwölf Jahren mit einem Mann konfrontiert werden. Dabei könnten männliche Grundschullehrer schon viel vorher den Defiziten entgegenwirken, die Kinder aus der Familie mitbringen.“

Forscher aus Großbritannien halten nicht so viel von der These, die gerne mit „Feminisierung der Grundschulen“ überschrieben wird. 2005 befragten Carrington, Tymms und Merrell rund 9.000 zehn- bis elfjährige Grundschüler mit dem Ergebnis: „Vergesst Gender! Ob eine Lehrkraft männlich oder weiblich ist, spielt keine Rolle.“ Sie sagen, dass es sich nicht signifikant auf die Leistung von Jungen und Mädchen auswirke, ob ein Mann oder Frau an der Tafel stehe.

In der Tat gibt es keine Studie, die bestätigt, dass Frauen schlecht für die Entwicklung von Jungs und Mädchen in diesem Alter seien. Allerdings kommt eine andere britische Befragung unter 803 Grundschülern zu folgendem Ergebnis: Drei Viertel der Jungen gaben an, dass sie es gut fänden, sowohl von männlichen als auch von weiblichen Lehrkräften unterrichtet zu werden.

Männer wollen in die Großstädte

Wenn Nils Schuler in der Pause ins Lehrerzimmer seiner Schule in Hamburg geht, trifft er dort auf sechs Männer und 14 Frauen. Der Männeranteil ist höher als an anderen Schulen. Das liegt daran, dass viele Männer nach dem Studium in die Großstädte wollen. „Den Job in einer großen Stadt empfinden viele als einen beruflichen Anreiz“, sagt Josef Kraus. Wenn Schuler seine männlichen Kollegen beschreibt, fallen ihm Begriffe wie anpackend und bodenständig ein. Starke Persönlichkeiten seien aber auch die Frauen. Schuler ist ein Typ, der eigentlich nicht in starren Männer-Frauen-Kategorien denkt. Doch geht es um seinen Job, sagt er: „Männer sind an dieser Schule extrem wichtig.“

Manchmal hat Meisenburg nicht alles im Griff. Einige der Schüler kommen unregelmäßig zum Unterricht, verpassen Buchstaben im Alphabet, die wichtig sind, um irgendwann lesen zu können. Meisenburg muss in so einem Fall das Jugendamt benachrichtigen. Auch wenn Kinder zuhause geschlagen werden, alarmiert der Pädagoge das Amt. Er geht aber auch selbst in die Familien, spricht über Probleme und gibt Eltern Tipps für einen ritualisierten Alltag. In den Familien mit Migrationshintergrund, hat er die Erfahrung gemacht, dass die Väter eher auftauen und reden, wenn er vor der Tür steht. Viele besuchen dann auch die Elternsprechstunden. Meisenburg versucht zu helfen und muss dabei Distanz bewahren. „Ich nenne das Psychohygiene“, sagt er, „der Job ist toll, du darfst keine Berührungsängste haben, aber wenn du zu sehr einsteigst, sitzt du abends zuhause am Küchentisch und heulst.“

Der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann arbeitet in seinem Institut für Kinderpsychologie und Lerntherapie in Hannover auch mit Kindern im Grundschulalter. Besonders beschäftigt er sich mit den Problemen von Jungen, zu ihm kommen Schüler mit Lernschwächen, ADHS oder psychischen Problemen. Auch betreut er auffällige Kinder aus türkischen und russischen Familien. Geht es um Lösungen, misst der Autor von Kleine Jungs, große Not gerade Männern an Grundschulen eine große Bedeutung zu: Jungen sehnten sich nach einem väterlichen Lehrer. Typ gestandener Handwerker.

Lust auf Basteln und Singen

Schuler kommt diesem Typus nahe, er sagt zum Beispiel Sätze wie „Jungen brauchen Räume“ und tobt sich am Nachmittag mit ihnen beim Mannschaftssport in der Halle aus. Aber Schuler sieht sich dabei nicht als spezieller Ansprechpartner für die Jungen. „Für die Mädchen bin ich genauso da“, sagt er. 28 Stunden unterrichtet er in der Woche, nicht eingerechnet ist dabei der Aufwand für die Vorbereitung des Unterrichts. Der ist manchmal vielleicht sogar höher als in anderen Schulformen, dafür fallen die Korrekturen weg, die zum Beispiel einen Großteil der Arbeit eines Gymnasiallehrers ausmacht. „Als Grundschullehrer musst du selbstverständlich auch Lust auf Basteln und Singen haben und didaktisch fit sein“, sagt er.

Schuler hat die Erfahrung gemacht, dass gerade Männer seinen Beruf unterschätzen. Er erzählt von Partys und arroganten Bemerkungen, wenn er auf die Frage antwortet, was er beruflich mache. In der Tat ist es das geringe Prestige und die Bezahlung, die so wenig Männer an die Grundschulen treibt. Grundschullehrer werden als Beamte nach der Besoldungsgruppe A12 bezahlt. Das monatliche Einstiegsgehalt beträgt brutto gut 2.700 Euro und kann im Laufe der Jahre auf gut 3.700 Euro steigen. Grundschullehrer müssen ein Lehramtstudium samt zweijährigem Referendariat absolvieren. Das ist an Universitäten, aber auch an Pädagogischen Hochschulen möglich und dauert sechs bis neun Semester. Einige Hochschulen bieten auch Bachelor- und Masterstudiengänge an.

„50 Prozent Männer an Grundschulen, das wäre ideal“, sagt Josef Kraus. Dass das utopisch ist, weiß er auch. Viele Lehramtsstudenten denken nach wie vor karriereorientiert und sehen die Grundschule als Sackgasse, weil nur einer hoch hinaus kommt: der Schulleiter. Eine größere Akzeptanz für den Beruf wünscht sich daher nicht nur Schuler: „Viele laufen mit der Auffassung durchs Leben, kleine Kinder seien Frauensache“, sagt er. „Denen möchte ich einfach beweisen, dass es anders ist.“

Schlechterer Schulerfolg von Jungen: Frauen sind nicht schuld


[AZWeb.de, 05.03.2010]

Berlin/Mannheim. Die hohe Zahl an Lehrerinnen ist nicht der Grund dafür, dass Jungen in der Schule schlechter abschneiden als Mädchen.

Zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und Mannheimer Forscher. Auch viele andere empirische Untersuchungen konnten keinen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht des Lehrers und dem Bildungserfolg der Schüler feststellen.

Auf den ersten Blick falle tatsächlich auf, dass sich mit dem steigenden Anteil weiblicher Lehrer die Chancen für Mädchen erhöhten, Abitur zu machen. Das gelte sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch in räumlicher, so das WZB. Je mehr Frauen in einem Bundesland unterrichten, desto erfolgreicher seien dort Schülerinnen im Vergleich zu Schülern.

In der einen aktuellen Studie untersuchte Marcel Helbig vom WZB, inwieweit der Anteil männlicher Lehrer an einer Grundschule die Kompetenzen, Noten und Übergangsempfehlungen bei Jungen und Mädchen beeinflusst. Es habe sich gezeigt, dass Jungen weder beim Leseverständnis noch in ihren Mathekompetenzen von einem höheren Anteil männlicher Lehrer profitierten.

In Schulen mit vielen Lehrern hätten die Jungen zwar bessere Noten in Mathematik bekommen, in Deutsch aber nicht. Der Zusammenhang sei jedoch gering gewesen. Bei der Schulempfehlung ließ sich kein Unterschied feststellen. Die Mädchen lasen besser, wenn sie Schulen mit einem hohen Lehrerinnenanteil besuchten. Bei Mathemathik war das nicht so. Und auch bei den Noten ließ sich dem WZB zufolge kein Effekt feststellen.
Die zweite Studie ergab, dass weder Jungen noch Mädchen bei der Kompetenzentwicklung oder den Noten in Mathematik, Deutsch oder Sachkunde von einem gleichgeschlechtlichen Lehrer profitieren. Die Forscher des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung und der Universität Mannheim zeigten zudem, dass die Leseleistung beider Geschlechter leidet, wenn sie vier Jahre lang von einem männlichen Deutschlehrer unterrichtet werden.

Lien erroné entre le décrochage des garçons et le manque de professeurs masculins

[Cyberpresse.ca, 30 août 2009]

Christiane Pelchat

Il est exact que les garçons décrochent plus que les filles au secondaire et il est aussi vrai que parmi les enseignants, il y a plus de femmes que d'hommes. Toutefois, y voir là un lien de cause à effet est erroné, voire même dangereux, et ne sert pas la cause des garçons comme le démontrent plusieurs études, notamment celles du Conseil supérieur de l'éducation du Québec.

Parmi la population âgée de 19 ans en 2006, 24,1 % des garçons ne fréquentaient pas l'école et n'avaient pas obtenu de diplôme du secondaire. Il y a donc 24 % de garçons qui ont abandonné. S'il était vrai que la trop grande présence de femmes est la principale cause du décrochage, comment se fait-il que pour 76 % d'entre eux, la présence des femmes enseignantes n'ait pas le même effet? Que dire des 14 % de filles qui décrochent?

Nous ne comprenons pas non plus pourquoi certains prétendent que les valeurs actuelles du milieu de l'éducation agiraient comme un poison sur 24 % des garçons. À quelles valeurs au juste fait-on allusion? Aux valeurs féminines? Quelles sont donc les valeurs qui sont manquantes pour ces garçons? Que suggère-t-on pour les 14 % de filles qui décrochent?

Le Conseil supérieur de l'éducation nous apprend qu'au-delà de l'école, les parents ont aussi une grande part de responsabilité dans la réussite scolaire des enfants. Ainsi, les enquêtes démontrent que les parents, dès la petite enfance, valorisent très tôt les études chez les petites filles en affirmant que c'est le salut pour l'autonomie des femmes, mais en omettant de le faire pour leurs fils.

De plus, quand le secteur manufacturier allait mieux, plusieurs garçons attirés par de bons salaires quittaient l'école pour aller à l'usine, et ce, dans beaucoup de régions du Québec.

Les enquêtes de Jean-Claude St-Amant démontrent aussi que l'autonomie qu'acquièrent rapidement les petites filles est souvent manquante chez certains garçons.

Aussi, selon le Conseil supérieur de l'éducation : « Les principaux facteurs d'abandon reliés à l'école résident dans la dynamique de la classe, la culture de l'établissement, certaines conditions d'enseignement et des effets du système. Le CSE relève entre autres : un curriculum trop homogène, l'accès encore difficile à la formation professionnelle, la taille des groupes, le perfectionnement inadéquat du personnel enseignant, l'écart de l'école avec le milieu de vie de l'élève, le souci excessif de l'excellence... »

De plus, parmi les principaux facteurs d'abandon liés à la famille, le CSE signale le manque de maîtrise de la langue qui nuit à l'apprentissage de toutes les matières, le peu d'intérêt porté aux études et la pauvreté...

Par ailleurs, il faut regarder ce qui se passe ailleurs. Par exemple, au Danemark en 1999, il y avait seulement 57% de femmes enseignantes. Pourtant, le taux de décrochage scolaire des garçons était de 23 points supérieur à celui des filles. En France, où les femmes enseignantes représentaient 67 % du personnel, le taux de décrochage des garçons y était moins élevé qu'au Québec et un petit écart de 3% séparait les deux sexes.

Ainsi, pour nous, il est clair que d'avoir davantage d'hommes enseignants est souhaitable, mais cela ne réglera pas le problème d'abandon scolaire de nos garçons. Le problème est global et nécessite une action des écoles mais aussi des parents.

L'auteure est présidente du Conseil du statut de la femme.

Mädchen beim Abi vorn


[FR-online, 07. Februar 2010]

Wiesbaden. In Hessen machen deutlich mehr Mädchen Abitur als Jungen - bei den Hauptschulabschlüssen ist es umgekehrt. Das ergibt sich aus Daten des Kultusministeriums zu den Schulabgängern vom Sommer 2009. Die allgemeine Hochschulreife erreichten danach 11 680 Mädchen und 9532 Jungen, ein Verhältnis von 44,5 zu 55,5 Prozent.

Hessen weise damit noch "einen vergleichsweise hohen Anteil männlicher Absolventen" im Vergleich zu anderen Bundesländern auf, antwortete Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) auf eine Anfrage der CDU-Fraktion. Die Parlamentarier suchten nach einer Erklärung, warum "in Hessen männliche Schüler nur unterproportional die Hochschulreife erlangen".

Bei den 29.552 Realschulabgängern war das Verhältnis mit 49,4 Prozent Jungen und 50,6 Prozent Mädchen nahezu ausgeglichen. Den Hauptschulabschluss erreichten 8740 Jungen und 6513 Mädchen, ein Verhältnis von 57,3 Prozent und 42,7 Prozent.

Henzler sah keine rein hessischen Gründe für diese Unterschiede im Schulerfolg. In anderen Bundesländern sei das Bild ähnlich. Es wechselten etwa gleich viel Jungen wie Mädchen auf das Gymnasium, die Schere gehe später auseinander.

Studien zufolge liegt ein Grund in der höheren Lesefertigkeit der Mädchen. Deshalb habe Hessen die Leseförderung in den Grundschul- und Mittelstufenjahren verstärkt mit dem besonderen Ziel, den Jungen zu helfen. Zudem bemühe sich Hessen, Männer als Lehrer für Grundschule und Mittelstufe zu gewinnen, um den Jungen Vorbilder zu geben. (dpa)

Lehrerinnen übertragen Angst vorm Rechnen auf Mädchen

[Spiegel online, 25.01.2010]

Jungs rechnen von Natur aus nicht besser als Mädchen. Doch weil sich viele Lehrerinnen für Mathe-Nieten halten, beeinflussen sie ihre Schülerinnen negativ, belegt eine aktuelle Studie. Die Mädchen übernehmen das Klischee der Lehrkraft - und rechnen fortan schlechter als männliche Mitschüler.

Grundschullehrerinnen, die selbst schwach in Mathematik sind, impfen ihren Schülerinnen die Angst vor dem Fach ein. An Jungen geben sie ihre Schwäche dagegen nicht weiter. Das haben Wissenschaftler der Universität von Chicago in einer Studie nachgewiesen, die in "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlicht wurde.

Die Psychologen der Universität Chicago untersuchten 17 Lehrerinnen sowie rund 120 ihrer Schüler aus der ersten und zweiten Klasse. Zunächst prüften sie die Einstellung der Lehrkräfte zu Mathematik. Je unsicherer die Lehrerinnen in dem Fach waren, desto eher glaubten die Schülerinnen nach dem Schuljahr, Mädchen könnten besser lesen und Jungs besser rechnen. Und jene Schülerinnen, die an dieses Vorurteil glaubten, schnitten in Mathematik tendenziell schlechter ab. Jungen blieben von dem stereotypen Denken dagegen unbeeinflusst.

Um zu testen, inwieweit sich die Ängste einer Lehrerin auf ihre Schülerinnen übertragen könnten, prüften die Forscher die Einstellung und Rechenkünste am Anfang und am Ende des Schuljahres. Dabei kam heraus, dass Mädchen, die sich dem Vorurteil angeschlossen hatten, in Mathe auf einer Bewertungsskala sechs Punkte hinter ihren unbeeinflussten Klassenkameraden und -kameradinnen zurückblieben: 102 zu 108 Punkten.

90 Prozent der Grundschullehrer sind weiblich

Da die Forscher den Zusammenhang zwischen der Einstellung der Lehrer zu Mathe und den Leistungen der Schülerinnen auch auf die allgemein höhere soziale Sensibilität der Mädchen zurückführten, schlossen sie nicht aus, dass Schülerinnen sich bei männlichen Lehrern ähnlich verhalten könnten: Sollten Lehrer ein Rollenverständnis vermitteln, nach dem Mädchen von Natur aus schlechter in Mathe sind, könnten Schülerinnen dieses Denken übernehmen und entsprechend schlechter rechnen.

Männliche Lehrer müssten die Forscher an den Grundschulen jedoch erst suchen: Amerikanische Grundschullehrer sind etwa zu 90 Prozent weiblich - in Deutschland ist das Missverhältnis ähnlich. In ihrer Ausbildung werden Lehrer nur minimal auf Mathematik vorbereitet, erläutert das Forscherteam von Sian Beilock. Aus anderen Studien ist bekannt, dass angehende Grundschullehrerinnen mehr Angst vor Mathe haben als Studenten aller anderen Fachrichtungen. Dass das stereotype Denken nicht auf Jungen abfärbte, erklären die Psychologen damit, dass Kinder in diesem Alter vor allem auf Rollenmodelle gleichen Geschlechts fixiert sind.

Mädchen sind Mathenieten von Geburt an? Weit gefehlt!

Dass Mädchen keinesfalls von Natur aus im Rechnen benachteiligt sind, zeigte eine Analyse von zwei breit angelegten Studien Anfang des Jahres: Schülerinnen lösen Mathe-Aufgaben ähnlich gut wie Schüler - wenn sie nur an sich glauben und niemand ihnen eine Rechenschwäche einredet. Bei der Analyse wurden die Daten von fast 500.000 Schülern aus 69 Ländern untersucht.

Das Ergebnis deckt sich mit dem Resultat einer US-Studie, die das Magazin "Science" 2008 veröffentlichte. Darin hatten Forscher Mathematik-Prüfungen von über sieben Millionen US-Schülern der Klassenstufen zwei bis elf unter die Lupe genommen - und keine Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gefunden.

Dass im jungen Alter Mädchen und Jungs gleich gut rechnen, zeigte auch eine Sonderauswertung der Pisa-Studie im vergangenen Jahr. Pisa ergab, dass Mädchen im Alter von 15 Jahren im Durchschnitt schlechter rechnen, als Jungs. Das ist allerdings nicht von Beginn an so: Während der Schulzeit wächst die Leistungslücke zwischen den Geschlechtern in fast allen Industriestaaten.

OECD: Wenn Mädchen nicht an sich glauben, rechnen sie schlecht

Bei den 2006 durchgeführten Pisa-Tests hatte der Unterschied in Deutschland in der Mathematik 20 Punkte betragen, zugunsten der Jungen. Dafür waren die Mädchen beim Lesen deutlich überlegen - der Abstand betrug 42 Punkte. In beiden Disziplinen waren die Differenzen zwischen Schülern und Schülerinnen größer als im Durchschnitt der Teilnehmerländer. Ebenfalls interessant: Beim Lesen sind Mädchen schon in der Grundschule besser, wie die Iglu-Studien zeigen. Der Abstand zu den Jungen beträgt allerdings nur wenige Punkte und wächst im Laufe der Schulzeit dann deutlich an.

Der Grund für verschiedene Rechenleistungen zwischen den Geschlechtern liege nicht in unterschiedlichen Begabungen, so die Autoren der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Vielmehr sei die Schuld bei gängigen Mann-Frau-Klischees und Vorurteilen zu suchen. Anders formuliert: Allein weil Mädchen glauben, sie rechneten schlecht, schwächeln sie dann tatsächlich in Mathe.

xvp/dpa/apn

Why Boys Fail: Saving Our Sons from an Educational System That's Leaving Them Behind

Why Boys Fail: Saving Our Sons from an Educational System That"s Leaving Them Behind

WHITMIRE, RICHARD


Boys are falling behind in school. The world has become more verbal; boys haven"t. Even in their traditionally strong subjects of science and math, boys are hit at a young age with new educational approaches, stressing high-level reading and writing goals that they are developmentally unable to achieve. The gap between male and female achievement has reached the college level, where only 40 per cent of graduates next year will be male. This doesn"t just mean fewer male doctors and lawyers, it also means fewer men in the careers that previously did not require post-high school degrees but do now. "Why Boys Fail" examines the roots and repercussions of this problem and spells out the educational, political, social and economic challenges we face as we work to end it.

"Jungen brauchen Männer!"


"Jungen brauchen Männer!"

[Spiegel, 13-11-2009]

Von Jonas Goebel

Im Leben vieler Jungen sind ihre Väter kaum präsent, auch an Kindergärten und Schulen gibt es nur wenige Männer. Ein Hamburger Projekt will das ändern. Gemeinsam wird gekocht und gesegelt, geschnitzt und auch mal gerangelt. Ein Abend für Männer und solche, die es noch werden.

Ein Montagabend in der Hamburger Gesamtschule Bergstedt. Ein paar Jungen jagen und raufen sich, andere unterhalten sich ein wenig abseits mit Männern. Die Stimmung ist gut, fast ausgelassen. "Alle Fußballfans nach links, alle anderen nach rechts!", lautet die Ansage. "Was seid ihr denn für welche?", schmettert es aus großen und kleinen Kehlen bald von links. "Ihr seid doch keine echten Männer!"

Zwölf Männer und doppelt so viele Jungs im Alter von 12 bis 16 sind in die Aula gekommen, um etwas zu leben, das sie offenbar sonst kaum noch finden: wahre Männerfreuden. Vor gut drei Jahren hat Frank Beuster das Projekt "Paten-t für Jungen" ins Leben gerufen. Beuster ist Erziehungswissenschaftler und Grundschullehrer, 2006 veröffentlichte er das Buch über "Die Jungenkatastrophe".

Zu Beusters Mission gehört auch "Paten-t für Jungen". Das Projekt soll leisten, was seiner Meinung nach in Kindergärten und Schulen fehlt: "erwachsenes männliches Vorbildverhalten, wertschätzende Zuwendung und Orientierung für ihr Leben".

Die Politik entdeckt benachteiligte Jungs

Am Anfang waren es nur vier Männer und fünf Jungen. "Heute kommen bis zu 30 Jungen, und wir haben einen Pool von 50 Männern", sagt Beuster. An diesem Novemberabend sind einige zum ersten Mal dabei: Lehrer der Schule, aber auch Männer, die sonst mit Pädagogik nicht viel zu tun haben. Alle machen ehrenamtlich mit.

Lange war ein spezieller Förderbedarf von Jungen kein Thema. Im Gegenteil: Es galt als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Mädchen bessere Chancen in Schule und Beruf zu verschaffen. Das hat sich mittlerweile geändert. So betonten die Familienpolitiker von FDP und CDU bei ihren Koalitionsverhandlungen, die neue Bundesregierung wolle "die Bildungs- und Entwicklungschancen von Jungen und Männern verbessern".

Politiker sind aufgeschreckt von Studien zum Ungleichgewicht der Schulergebnisse von Mädchen und Jungen. So stellte der Aktionsrat Bildung im März in einer Studie fest, dass Jungen in Kindergärten und Schulen "massiv benachteiligt" würden. Während von den Schulabgängern ohne Abschluss 62 Prozent Jungen seien, stellten bei den Abiturienten Mädchen die klare Mehrheit. "Die Bildungsungleichheit zwischen Mädchen und Jungen überschreitet die Grenzen des rechtlich und moralisch Hinnehmbaren", sagte Randolf Rodenstock, Präsident des Vereins der Bayerischen Wirtschaft.

Männliche Erzieher und Grundschullehrer? Gibt's kaum

Ein großes Problem: In Kindergärten und Grundschulen fehlt es an männlichen Vorbildern. Den Anteil der männlichen Erzieher in Kindergärten schätzen Bildungsforscher und Ministerien auf magere drei Prozent. Und an hessischen Grundschulen sind nach Angaben des Kultusministeriums von 100 Lehrern 92 Frauen.

"Meine eigenen Kinder hatten zum Teil auch nur Lehrerinnen", sagt Norbert Dahmen, 43. Der Hamburger Architekt, Vater von drei Kindern, hätte sich für sie mehr Männer gewünscht. Jetzt ist er Beusters Ruf in die Gesamtschule gefolgt und will selbst dazu beitragen, dass Jungen mehr männlichen Beistand finden.

"Jungen - aber auch Mädchen - können sich durch eine Erhöhung des Männeranteils im Erziehungsbereich und durch die Ausweitung aktiver Vaterschaft leichter von eindimensionalen Männerbildern lösen", sagt Miguel Diaz, Referent bei "Neue Wege für Jungs". Mit diesem Projekt unterstützt das Bundesfamilienministerium Initiativen, die sich mit der Berufs- und Lebensplanung für Jungen beschäftigen.

Dass es so wenig Männer in der Bildung gibt, führe bei vielen Jungen dazu, dass sie sich weniger an realen männlichen Lebenslagen orientierten, sagt Diaz. Ihre Vorbilder seien überzeichnete und unrealistische Figuren, geprägt von Stärke, Dominanz, Konkurrenz, Cool-Sein und einem erschwerten Zugang zu eigenen Gefühlen. "Deshalb ist es wichtig, Jungen ein Vaterbild anzubieten, das den Mann mehr als fürsorgenden Vater und weniger als Familienernährer sieht", so Diaz.

Die Lücke im Leben der Jungen

Es geht aber nicht allein um Schulen und Kindergärten, auch um Familien. "Väter sind häufig den ganzen Tag beruflich eingespannt, abends fehlt dann die Kraft für die Kinder", sagt Jürgen Kern. Er ist Produktionsleiter bei Lufthansa Technik, Vater von zwei Kindern und macht bei "Paten-t für Jungen" mit. "Meine Motivation ist, dass wir in einer zunehmend vaterlosen Gesellschaft aufwachsen", so Kern. Das gelte für Mädchen ebenso, habe auf Jungen aber größere Auswirkungen: "Wie wird man vom Jungen zum Mann? Das können Jungen nur von Männern lernen, erfahren und ausprobieren."

Kern nimmt sich selbst nicht aus: "Ich musste mich heute schon um 16 Uhr aus der Firma schleichen", sagt er. Das sei nichts Falsches, doch der Chef sehe eben meist nur, "dass man früher geht - nicht warum". Kern wünscht sich eine Aktion großer Firmen für junge Väter und Paten wie ihn. "Einmal im Monat um 15 Uhr freizubekommen für solche Abende, das würde mich sehr entspannen."

Derweil bereitet er ein Lagerfeuer vor der Bergstedter Aula vor. Und drinnen wird nach einem Kräftemessen im Armdrücken verhandelt, wer Räuber und wer Gendarm sein soll. Schon nach wenigen Minuten ist klar: Jungen treten gegen Männer an. Vor dem Duell wird es ordentlich laut: "We will, we will rock you!" dröhnt es durch die Aula. Frank Beuster trommelt mit flachen Händen auf einen Tisch, andere steigen ein.

Den Jungen gefällt der Männerabend. Hendrik, 14, freut sich jedes Mal darauf. "Ich bin hier, weil es einfach Spaß macht, wir können unsere Lehrer mal richtig kennenlernen und machen coole Sachen!" Sein Freund Nils, 14, ergänzt: "Das, was ich hier mache, mache ich sonst nicht. Zumindest nicht mit so vielen."

"Die Paten sind keine Ersatzväter"

"Die Mütter sind begeistert und dankbar, dass es endlich Männer gibt, die bereit sind, etwas mit ihrem Sohn zu machen", sagt Beuster. Im Leben vieler Jungen fehle der Vater und tauche auch in der Schule bei Elternabenden nicht auf. "Wir sagen aber immer klar, dass die Paten keine Ersatzväter sind", so Beuster. "Wenn wir Vätern erklären, dass wir Mitstreiter und keine Konkurrenz sind, dann verstehen sie das." Eigentlich soll im Projekt ein Mann Pate eines Jungen werden. Meist bleibt es jedoch bei den Gruppentreffen. Das Interesse an der Pärchenbildung sei nicht so groß, sagt Beuster.

Vor der Aula brennt mittlerweile das Lagerfeuer. Im großen Topf blubbert die Gulaschsuppe. Große und Kleine stehen in Gruppen zusammen, man plaudert, auch über die Zukunft und Gefühle. Karim, 14, erzählt mit leuchtenden Augen, wie gern er tanzt, HipHop und Musical, und dass er Schauspielunterricht nimmt.

Dann verlischt das Licht. "Es gruselt einen ja schon am Tag, wenn man in der Schule ist", sagt Hendrik und sorgt für Gelächter. Das Duell zwischen Jungen und Männern, zwischen Räubern und Gendarmen beginnt. Immer wieder befreien die Jungen ihre Mitstreiter durch geschicktes Anschleichen aus dem bewachten Gefängnis. "Wir schaffen es einfach nicht, alle zu fangen, die sind zu schnell", sagt Beuster. Ziemlich außer Puste presst er heraus: "Uns Männern tut es auch richtig gut mit den Jungs."

Jungs fehlen männliche Vorbilder


[Badische Zeitung, 15. Oktober 2009]

"Kinder entdecken Gesundheit" heißt in diesem Jahr das Motto der Ortenauer Grundschultage. Das Thema umspannt Ernährung ebenso wie zu viel Medienkonksum und den wachsenden Förderbedarf bei Jungen – ihnen fehlen häufig männliche Vorbilder.

Unter dem Motto "Science Kids – Kinder entdecken Gesundheit" stehen in diesem Jahr die Ortenauer Grundschultage. Die jährliche Veranstaltung will Grundschulen neue Handlungsfelder erschließen.

Am Dienstag fand die erste von insgesamt drei Grundschultag-Veranstaltungen in der Schwarzwaldhalle Appenweier statt. Morgen, Donnerstag, 22. Oktober, wird der Tag in Ichenheim wiederholt. Eine weitere Wiederholung ist vorgesehen, aber noch nicht terminiert.

Partner der Grundschultage ist die AOK, die gemeinsam mit dem Kultusministerium des Landes das Programm "Kinder entdecken Gesundheit" entwickelte. In zwei Vorträgen und insgesamt elf Workshops werden bei jedem der Grundschultage die Inhalte vorgestellt. Dazu erhalten die Lehrer umfangreiches Lehrmaterial. Dessen Aufbereitung erhält großes Lob von Joachim Schwab vom Staatlichen Schulamt Offenburg. Es biete eine großartige Orientierung, die Anleitungen seien leicht umsetzbar. Bettina Dürr, Ernährungsexpertin der AOK Ortenau, erklärt an einem einfachen Beispiel, wie die Experimente aussehen können: "Man bindet einen Teil des Armes in Plastikfolie ein. Damit kann man zeigen, wie der Körper Wasser verliert."

Die Kinder sollen spielerisch erfahren und erleben, wie der Körper funktioniert. Dazu gehöre auch das Thema Ernährung, das in dem Themenblock "Lebensmittel herstellen und genießen" behandelt werde. Die Ernährungsberaterinnen an den Schulen leisteten engagierte Arbeit. Dennoch habe sich der Ernährungszustand der Kinder weiter verschlechtert. Dürr: "Zeigefinger nützt nichts. Wir hoffen, dass es mit spielerisch-didaktischen Mitteln gelingt, etwas zu verändern." Entscheidend sei, dass man die Eltern als Partner gewinne. Laut Joachim Schwab beteiligen sich alle 120 Grundschulen des Ortenaukreises mit zwei bis fünf Vertretern am Grundschultag.

Durch die mehrfache Wiederholung will man den Lehrkräften Gelegenheit geben, möglichst viele der Workshops zu besuchen. Über die Ortenauer Grundschultage will das Staatliche Schulamt wichtige Bildungsfragen in den Fokus nehmen sowie die Kontakte unter den Schulen fördern. "Die Aufgaben, die auf die Grundschulen zukommen, sind immens", so Schwab. Problematisch sei zum einen die immer weiter auseinander gehende Schere zwischen übermotivierten und desinteressierten Eltern.

Generell gehe die "Kindheitsnorm" verloren – völlig unterschiedlich aufgewachsene und mit unterschiedlichen Erfahrungswelten ausgestattete Kinder finden sich in einem Klassenverband. Die Kinder seien häufig durch "mediale Erfahrungen" geprägt: Man probiert nicht mehr selber aus, sonst erlebt virtuelle Abenteuer am Bildschirm. Mittlerweile zeige sich, dass zwei Drittel der Problemkinder Jungen sind.

Bei ihnen, so Schwab, seien Lese-Rechtschreibschwächen oder Aufmerksamkeitsdefizite um ein Vielfaches häufiger als bei Mädchen. Das gelte europaweit, sei aber in Deutschland besonders ausgeprägt. Über die Gründe kann Schwab nur spekulieren: "Jungen wachsen heute in hohem Maß ohne männliche Vorbilder auf."

Männliche Erzieher seien in der Grundschule wie im Kindergarten die Ausnahme, viele Mütter seien alleinerziehend. "Jungs suchen sich dann in der virtuellen Welt ihre Vorbilder. Aber die taugen nicht für den Alltag." Man werde zukünftig verstärkt Aufmerksamkeit darauf verwenden müssen, wie man Jungs stützt.

Zur Aktion "Science Kids – Kinder entdecken Gesundheit" gibt es auch einen Schulwettbewerb. Weitere Infos unter www.sciencekids.de